Chaos-Tage bei Juventus Turin

Die bescheuerte Dame

Die Nerven liegen blank, Trainer Ranieri ist einer Revolte ausgesetzt und Keeperlegende Buffon angefressen: Bei Juventus Turin herrscht nach dem jüngsten 2:2 gegen den Tabellenvorletzten US Lecce das blanke Chaos. Chaos-Tage bei Juventus Turin Imago Die Fakten sind deutlich: Juve kann seit 43 Tagen keinen einen einzigen Dreier in der Serie A vorweisen und hat mit satten elf Punkten Rückstand auf Branchenprimus Inter Mailand als Tabellendritter praktisch keine Chance mehr auf den Scudetto. Auch der zweite Platz rückt durch das Remis in weite Ferne.

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Hinzu kommt, dass nach Meinung vieler Tifosi Juve in Sachen Spieltempo und -witz dem Spitznamen »alte Dame« alle Ehre macht. Für die erfolgsverwöhnten Fans ein triftiger Grund, auf die Barrikaden zu gehen und den Kopf des Trainers zu fordern. Die »Ranieri raus«-Sprechchöre sind unüberhörbar, und auch die Rückendeckung im Klub scheint zu bröckeln.

Ist es da überhaupt möglich, in der nächsten Saison Planungssicherheit und ein geregeltes Umfeld im Piemont vorzufinden? Eine berechtigte Frage, die sich wohl auch der umworbene Diego vom SV Werder Bremen stellen dürfte.

»Ich halte das nicht mehr aus«

Denn am 34. Spieltag kam es nun endgültig zum Eklat: (Noch-)Trainer Claudio Ranieri wechselte zur Halbzeit Mauro Camoranesi aus, was dem Heißsporn gar nicht schmeckte. Prompt kam es in der Kabine zu tumultartigen Szenen. Camoranesi soll heftigst gegen seine Degradierung protestiert und Juves Übungsleiter mit hochrotem Kopf angebrüllt haben. Die aufgeheizte Stimmung in den Katakomben des Olympiastadions in Turin bestätigt Vincenzo Iaquinta: »Ja, wir waren alle wütend.«

Als Vermittler schritt Vereins-Ikone Gianluigi Buffon ein, scheiterte jedoch und verließ nach nur sieben Minuten ziemlich angefressen die Kabine. »Ich halte das nicht mehr aus«, wird der italienische Nationalkeeper in der »Gazzetta dello Sport« zitiert.

Und so ist auch der Coach kurz vor der Resignation: »Im Training trumpft die Mannschaft auf, ich weiß nicht, was dann im Spiel passiert. Ich will bleiben, aber wenn ich Fehler mache, muss ich gehen.« Wenn der Trainer sich bereits zu derartigen Aussagen hinreißen lässt, scheint der Abgang nicht mehr fern. Doch wie sieht es dann im Werben um Diego aus?

Rückzieher von Diego


Djair da Cunha, Vater und gleichzeitig Berater des Werder-Juwels, weilte nach Medienberichten am Montag in München, um dort erste Verhandlungen mit dem deutschen Rekordmeister zu führen. Dem Brasilianer scheint Turin nun doch zu schwül zu sein, obwohl es nach Angaben von Werder-Manager Klaus Allofs »Gespräche gegeben hat« und der Wechsel in die Serie A bereits so gut wie perfekt schien.

Zu einem Klub zu wechseln, der nicht zur Ruhe kommt, ist demnach wohl ausgeschlossen. Nun also ein Rückzieher von Diego – aber dieses Kunststück beherrscht der kleine Brasilianer ja par excellence.