Chaos im brasilianischen Fußball

Trainer Cuca beweist Anstand

Der Spieler, um den es ging, trägt erst seit vier Wochen das Trikot des FC Santos. Carlos Andres Sanchez Arcosa (33), WM-Teilnehmer aus Uruguay, hat immerhin bereits die südamerikanische Champions League, die Copa Libertadores und die Copa Sudamericana, das südamerikanische Gegenstück zur UEFA Europa League gewonnen, und sollte dem FC Santos in den K.O.-Spielen als solider Defensivspieler der Marke Eisenfuß für die notwendige Stabilität in der brasilianischen Defensive sorgen.

Doch der brasilianische Traditionsklub, für den bereits Pele und Neymar die Fußballschuhe schnürten, hatte offenbar einen Fehler bei den Regularien begangenen, die die Spielberechtigung des Uruguayers betreffen. Ein spitzfindiger Experte in Reihen der Argentinier hatte das bemerkt und so stellte der Rekord-Libertadores-Gewinner bei Conmebol den Antrag die Spielberechtigung von Sanchez im Hinspiel zu überprüfen.

Ein bemerkenswerter Trainer

Und wenige Stunden vor Anpfiff der extra von Santos ins benachbarte Sao Paulo verlegten Partie, teilte Conmebol mit, Sanchez war nicht spielberechtigt. Die Partie wurde folgerichtig mit 3:0 für Independiente gewertet. Santos Fans fühlten sich verschaukelt, witterten Absprachen zwischen dem argentinischen Klub und den Conmebol-Funktionären. Als klar ist, dass ihre Mannschaft wenige Minuten vor Schluss des Rückspiels die am grünen Tisch erworbene Hypothek des 0:3 nicht mehr umdrehen kann, brechen alle Dämme.

Zumindest einer behielt im dem Chaos kühlen Kopf. Santos-Trainer Cuca (55), erst seit vier Wochen auf der Santos-Bank, flüchtete sich nicht in billigen Populismus, sondern kritisierte bemerkenswert mutig die eigene Geschäftsleitung: »Morgen können sie mich gerne wegschicken, aber ich werde sprechen. Santos muss viel professioneller werden. Der Klub muss intern viel besser arbeiten. Was passiert ist, ist ein großer und schwerwiegender Fehler.«

Auf den Klub kommt nach den Ausschreitungen nun wohl auch noch eine Sperre zu. Und auf Cuca eine Geschäftsleitung, die auf den nächsten Fehler des Trainers warten wird, um den missliebigen Kritiker wieder loszuwerden.