Champions League: Chelsea - Liverpool 3:2

Riecher fürs Richtige

Chelsea hat erstmals in der Vereinsgeschichte das Finale der Champions League erreicht. Mit zwei Treffern legte Didier Drogba den Grundstein zum 3:2 gegen Liverpool und dem Finaleinzug. Und noch etwas anderes hat der Ivorer richtig gemacht. Champions League: Chelsea - Liverpool 3:2Imago Chelseas Stürmer Didier Drogba hat zuletzt nicht viel richtig gemacht. Vor allem hat er den Fehler gemacht, sich mit Michael Ballack anzulegen. Im Premier-League-Spiel gegen Manchester United war es, als sich Drogba mit Ballack um die Ausführung eines Freistoßes stritt, schließlich selbst schoss - und vergab. Ballack regte sich mächtig auf, und aus Drogbas Sicht war da schon eine kleine Entschuldigung fällig.

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Und der 36-Millionen-Mann Drogba konnte sich freuen, dass ihm das Champions-League-Rückspiel gegen Liverpool die Gelegenheit gab, sich zu entschuldigen und alles richtig zu machen. Denn da pfiff der Schiedsrichter Roberto Rosetti aus Italien in der 41. Minute einen Freistoß in einer Position, die einfach an das Ballack-Drogba-Vorgeplänkel aus dem Manchester-Spiel erinnern musste. Zwar stellte sich Drogba auch dieses Mal wieder neben Ballack, doch bei einem Blick in sein Gesicht wurde klar: Diese Positionierung auf dem Spielfeld diente allein dem Zweck, den Schein zu wahren, Liverpools Torhüter Jose Manuel Reina konnte sich ziemlich sicher sein, dass nicht der Ivorer den Freistoß ausführen würde. Und tatsächlich verzichtete Drogba auf die Ausführung.

Der Freistoß war zwar gefährlich und flog nur knapp am Tor vorbei, aber das war in diesem Moment zweitrangig. Wichtig war nur zu verstehen, wer hier der Freistoß-Herr im Haus ist. Und Didier Drogba beließ es nicht dabei, bei der Ausführung des Freistoßes alles richtig zu machen. Er machte zudem auf seinem ureigensten Betätigungsfeld, nämlich dem Toreschießen, alles richtig. In der 32. Minute konnte Reina einen satten Schuss von Kalou nur abklatschen lassen, Drogba war zur Stelle und schob zur 1:0-Führung ein. Der Ballack-Freistoß und das Drogba-Tor waren die beiden besten Chelsea-Szenen in einer ersten Halbzeit, die das Team von Avram Grant weitestgehend dominierte. Es hatte sowohl die besseren Chancen als auch die größeren Spielanteile.

Nach dem Seitenwechsel kamen die »Reds« deutlich besser in die Begegnung. Die Elf von Benitez sorgte unmittelbar nach dem Wiederanpfiff binnen zweier Minuten zweimal für Aufregung im Strafraum von Chelseaw Torhüter Peter Cech. Zudem setzte Chelsea sein engagiertes Spiel nicht weiter fort, sondern ließ sich unverständlicherweise etwas zurückfallen. Als die Hintermannschaft der Londoner den Liverpooler Angreifern einmal zu viel Platz ließ, markierte der spanische Angreifer Fernando Torres postwendend den Ausgleich (62.).

Eine erste Hälfte mit einer besseren Chelsea-Mannschaft und eine zweite Hälfte mit einer bessern Liverpool-Elf - das führte folgerichtig zu einem 1:1-Endstand nach 90 Minuten, und dieser 1:1-Endstand führte nach dem Hinspiel-1:1 folgerichtig zur Verlängerung. In der Nachspielzeit präsentierten sich die Chelsea-Spieler in der besseren Verfassung: Das Tor von Michael Essien gab Schiedsrichter Rosetti wegen Abseitsstellung zwar nicht, doch nur wenig später ging die Grant-Truppe durch einen Elfmetertreffer von Frank Lampard mit 2:1 in Führung.

Und dann war in der 105. Minute wieder der Mann zur Stelle, der an diesem Abend einen guten Torriecher hatte und wirklich alles richtig machte: Nach Vorlage des eingewechselten Nicolas Anelka erzielte Drogba das 3:1 und sorgte damit für die Vorentscheidung. Die Londoner fühlten sich bereits so sicher, dass sie einen Distanzschuss von Babel mächtig unterschätzten und nach dessen 2:3-Anschlusstreffer noch einmal zittern mussten.

Als Belohnung für die gute Leistung war Ballack so generös, den Ivorer kurz vor Schluss dann doch noch einen Freistoß schießen zu lassen. Da der gänzlich ungefährlich war, dürften die Chelsea-Offensivkräfte in Zukunft auf eine klare Arbeitsteilung setzen: Die Freistöße übernimmt Ballack, das Toreschießen Drogba - mit diesem Rezept könnte es auch mit einem Sieg im Champions-League-Finale gegen Manchester klappen.