Carlo Ancelotti beim FC Bayern

Die tanzende Augenbraue

Der neue Trainer des FC Bayern präsentiert sich erstmals beim neuen Arbeitgeber. Und es ist wie immer beim Rekordmeister: Eine Hollywood-Inszenierung mit leicht schrägen Zwischentönen.

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Cristiano Ronaldos Jubelschreie in den Nachthimmel von Saint Denis sind gerade erst verklungen, da brettert schon die PR-Maschinerie des FC Bayern mit mächtig Humptata los, als hätte es die Europameisterschaft nie gegeben. Seit am Donnerstag die Demission von Markus Hörwick, dem Urgestein der deutschen Bundesliga-Pressesprecher, bekannt geworden war, hatte sich das Grundrauschen an der Säbener Straße stetig erhöht. Gestern ein erster Paukenschlag mit dem Rücktritt von Matthias Sammer als Sportdirektor. Heute Vormittag dann mündete der bedächtige Auftakt wie in jedem Jahr zum Auftakt des neuen Fußballjahres in München ins Crescendo.

Die »lustigen Holzhackerbuam« warten auf den Italiener

Auf dem Rasen der Allianz Arena steht die Trachtengruppe der »Emmeringer Musi« und spielt in leichter Disharmonie das Lied der »lustigen Holzhackerbuam«. Zehn Vorschulkinder in FCB-Trikots bilden ein Spalier, um den Neuankömmling in Empfang zu nehmen, der gleich aus dem Bauch der Arena auf den heiligen Rasen von Fröttmaning steigen wird, um die »Willkommensüberraschung« seines neuen Arbeitgebers in Augenschein zu nehmen. Carlo Ancelotti ist gelandet.

Bei der vorangegangenen Pressekonferenz hat er die Arbeit seines Vorgängers Guardiola gelobt, der ihm an der Bürowand eine kleine Kritzelei hinterlassen hat, in der der »Pep« seinem Freund »Carletto« viel Glück beim neuen Job wünscht. Ancelotti ist ein freundlicher Mann, der mit viel Demut über seine Aufgabe spricht. Ein Mann mit seiner Erfahrung beherrscht diese Art von Hochzeitsrhetorik, die keinen doppelten Boden besitzt. Zwei Parteien finden zueinander und alle geben sich optimistisch, dass es diesmal wirklich die große Liebe ist. Der Italiener bekundet mehrfach, dass Mario Götze Stand heute, 11. Juli 2016, 11.25 Uhr, ein Bayern-Spieler ist und insofern eine Konstante in seinen Planungen. Der Bauernsohn aus Reggiolo hält die obligatorische Begrüßungsansprache auf deutsch, dass er »gluklisch« ist bei Bayern und sich auf seine »Manshaft« freut.

Keine Revolution

Er hat die Worte noch ein bisschen besser auswendig gelernt als sein Vorgänger vor drei Jahren. Natürlich gelobt er, ehe er bei der Beantwortung von Fragen ins Englische oder Italienische wechselt, schon bald noch viel besser deutsch zu sprechen. Er sagt, dass er gar keine Bewandnis sieht, großartig an Guardiolas angriffsorientierten Fußball herumzudoktern. Eine Revolution wolle er nicht machen, so Anchelotti. Und Karl Heinz Rummenigge, der neben ihm auf dem Podium sitzt, macht dabei ein Gesicht, als erkläre der Trainer soeben der Weltöffentlichkeit die Gründe für den Abstieg in die zweite Liga.