BVB-Sponsor schaltet freche Anzeige

Ganz Gelsenkirchen beleidigt

Das heiß umstrittene Revierderby vom vergangenen Samstag ist verbal noch immer in der Verlängerung. Eine provokante Anzeige des Dortmunder Sponsors »Evonik« löst Wellen der Empörung in Gelsenkirchen aus. BVB-Sponsor schaltet freche Anzeigeimago images
Fünf Sekunden zu früh hat Schiedsrichter Wagner den Krimi Dortmund gegen Schalke bekanntlich abgepfiffen. Auf politischer Ebene ist das Revierderby in eine mehrtägige Verlängerung gegangen – wegen einer ganzseitigen Zeitungsanzeige des Dortmunder Hauptsponsors Evonik. »Böses Foul!« meint Gelsenkirchen und fordert eine Entschuldigung des Essener Konzernchefs und BVB-Beiratsmitglieds Werner Müller.

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Und dieser Text der vor dem Revierderby geschalteten Anzeige löste den Aufschrei aus: »Katholisch, evangelisch, neuapostolisch, wir haben kein Problem mit Kirchen. Außer es steht »Gelsen« davor.« (Um diese Anzeige geht es.)

«Diese Anzeige beleidigt eine ganze Stadt«

Am Donnerstag wurde diese Evonik-Attacke im Gelsenkirchener Hauptausschuss erstmals publik – durch eine Anfrage des CDU-Stadtverordneten Guido Tann, der übrigens Präsident der SG Wattenscheid 09 (!) ist. Erste Reaktion von Oberbürgermeister Frank Baranowski: Nein, man sei not amused über diese Anzeige. »Diese Anzeige beleidigt eine ganze Stadt«

Geradezu erzürnt war der Gelsenkirchener SPD-Ratsfraktions-Chef (und Schalke-Fan) Klaus Haertel. Im Namen seiner Fraktion ging er nun in die Offensive und schrieb einen Offenen Brief an den »sehr geehrten Herrn Dr. Müller«.

Mit »erheblichem Befremden« habe er die Zeitungsanzeige des Unternehmens zur Kenntnis genommen, so Haertel. »Durch diese Anzeige der Evonik-AG wird eine ganze Stadt mit ihren Bürgerinnen und Bürgern diffamiert und beleidigt.« Das könne weder Stil noch im Interesse des Unternehmens sein.

Gerade Gelsenkirchen und die Menschen vor Ort seien dem Bergbau immer besonders verbunden gewesen und hätten deshalb vorbehaltlos den Bergbau unterstützt – »trotz aller Belastungen, die ihr Kohleabbau und die -verarbeitung mit sich gebracht haben«, schreibt der Sozialdemokrat dem Ruhrkohle-AG-Nachfolgekonzern ins Stammbuch. »Ich halte diese Anzeige deshalb nicht nur für völlig unangebracht und geschmacklos, sondern unseren Bürgern gegenüber beleidigend.« Eine Entschuldigung sei angebracht.

Auf die werden der Sozialdemokrat, seine Fraktion und Gelsenkirchen vergeblich warten. Der Konter aus der Evonik-Zentrale auf diesen Offenen Brief ließ nicht lange auf sich warten: »Wir können gut verstehen, dass dem Schalke-Anhänger Haertel der Humor nach dem Spiel am Samstag vergangen ist«, erklärte eine Unternehmens-Sprecherin auf Anfrage – und baut im nächsten Atemzug einen Abwehrriegel auf: Mehr gebe es dazu zu nicht zu sagen.
Rache ist Bratwurst

»Das ist eine inakzeptable Haltung«, sagt OB Frank Baranowski, der ebenfalls einen Brief an Werner Müller geschrieben hat. Vor allem deshalb, weil der Konzern das Thema verfehlt habe: »Nicht Schalke 04 wurde hier angegriffen, sondern die Stadt.«

Auch anderen Bundesligisten hat sich Evonik vor Spielen gegen den BVB bereits »liebevoll« gewidmet. So bereitete der Konzern zum Beispiel vor dem DFB-Pokalfinale den Dortmunder Gegner per Anzeige schonend auf eine Niederlage vor: »Lieber FC Bayern: Die Besichtigung des DFB-Pokals wird nach telefonischer Voranmeldung jederzeit möglich sein.« Ob Werner Müller & Co nach der 1:2-Niederlage bei Uli Hoeneß schon einen Besichtigungstermin vereinbart haben, ist nicht bekannt.

Zurück zur »Kirchen«-Affäre: Der städtische Rechtsdezernent (und S 04-Dauerkartenbesitzer) Joachim Hampe hat sich wie Haertel darüber geärgert – und sich dann einen eigenen Reim bzw. Spruch auf den Schalker Rivalen gemacht: »Schmollmund? Kann sein. Kussmund? Ja, bitte! Dortmund? Nein, danke.«

Und: Frei nach dem Motto Rache ist Bratwurst nahm Schalkes Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies den BVB und vor allem die Borussen-Fans ebenfalls ins Visier - wenn auch ungewollt und vor dem verbalen Anzeigen-Foul: Vor dem Revier-Hit wurde nämlich bekannt, dass Tönnies Fleischimperium auch den Signal-Iduna-Park mit Würstchen beliefert. Aber das ist wieder eine ganz andere Derby-Geschichte.