BVB-Mittelfeldjuwel Milos Jojic

»Er versteht nicht, wo er hinlaufen soll.«

Während Sahin den langen und schmerzlichen Ausfall von Gündogan nie vollständig kompensieren konnte, überzeugt der Serbe durch Lauf- und Zweikampfstärke, Flexibilität, Torgefährlichkeit. Der 1,77 Meter große Akteur vereint viele Vorgaben, die Klopp an seine Spieler stellt. Die Devise seines Trainers, nach Gegenpressing schnell den Ball zu erobern, um dann temporeiche Gegenangriffe einzuleiten, hat Jojic aufgesaugt.

In zehn Ligaspielen für den BVB hat er mittlerweile vier Tore erzielt und einen Treffer aufgelegt. Zuletzt stand er viermal in Folge in der Startelf. In den beiden letzten Bundesligaspielen in Berlin und gegen Hoffenheim lief er insgesamt 23,7 Kilometer – die meisten aller BVB-Profis. Dazu verbuchte er nach Mats Hummels (77) mit 67 Zuspielen die meisten Pässe. Eigentlich kann Klopp aktuell nicht auf den Serben verzichten.

Bücher statt Filme

Vielleicht passt Jojic auch deshalb so gut zum BVB, weil er kein Lautsprecher ist. Er verzichtet auf laute Forderungen, präsentiert sein Können stattdessen in den Spielen und im Training. Klopp sprach schon mehrfach von »überragenden« Trainingseindrücken. Im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid warf er Jojic deshalb ins kalte Wasser. Der Serbe stand auf einmal als zentraler Umschaltspieler in der Startelf und löste seine Aufgabe beinahe perfekt.

»Milos ist eine angenehme Persönlichkeit«, so Klopp. In Serbien gilt »der Hase«, wie ihn einst sein Nachbar wegen seiner markanten Schneidezähne nannte, als bescheidener Charakter mit kontrolliertem Temperament. Es passt ins Bild, dass er via Instagram zeitweise Buchcover als Lektüreempfehlung veröffentlicht. »Ich versuche zu lesen, wann immer ich Zeit habe. Ich lese lieber ein Buch als mir einen Film anzusehen«, sagte er vor Jahresfrist der serbischen Sportzeitschrift »Sportski Zurnal«.

»Der Kleine ist ein Glücksgriff«

Momentan hapert es eigentlich nur an der Sprache. Regelmäßig sind Co-Trainer Zeljko Buvac und Landsmann Neven Subotic als Dolmetscher im Einsatz. Subotic scherzte vor einigen Monaten: »Er kann kein Deutsch, kein Englisch. Er versteht nicht, wo er hinlaufen soll. Aber er läuft.« Mittlerweile klappt es mit der Verständigung zwar schon besser, auf dem Platz scheint die Sprachbarriere aber aktuell kein Problem zu sein.

»Der Kleine ist ein Glückgriff«, sagt Jürgen Klopp, warnt aber auch vor zu großen Erwartungen. Jojic scheinen die gestiegenen Ansprüche an seine Person nicht zu belasten. Warum auch? Wer in der 90. Minute im entscheidenden Belgrader Stadt-Derby einen Freistoß in den Winkel setzt, kommt auch mit dem Druck rund um ein Champions-League-Spiel oder das DFB-Pokalfinale zurecht. Vielleicht wird Jojic´s größter Moment der Karriere ja am Samstag übertrumpft. Vielleicht stolziert er wieder in Unterhose bekleidet über den Platz. Und vielleicht reckt er dann sogar eine goldene Trophäe in die Luft. So wie damals in Belgrad.