Bundesligisten erobern China

Doltmund vol, noch ein Tol!

Paul Breitners Flirt mit Mao ist nicht mehr die einzige Verbindung der Bundesliga nach China. Nach Abpfiff der letzten Hinrunden-Partien flogen der BVB, Energie Cottbus und Arminia Bielefeld ins Reich der Mitte, um dort für sich zu werben. imago images
Mit einem vorweihnachtlichen Asien-Trip rührt ein Vereins-Trio in Fernost in dieser Woche die Werbetrommel für die Fußball-Bundesliga. Borussia Dortmund, Energie Cottbus und Arminia Bielefeld düsten direkt nach dem letzten Hinrundenspiel mit dem Flieger nach Asien, um dort die Auslandsvermarktung der Deutschen Fußball Liga (DFL) anzukurbeln und langfristig eine sprudelnde Geldquelle anzuzapfen.

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Denn im Vergleich mit den anderen Top-Ligen Europas hinkt die in 169 Ländern ausgestrahlte Bundesliga noch hinterher. "Da haben wir Nachholbedarf. Und es braucht eine erhebliche Energie, um voranzukommen", sagte Christian Seifert, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung. Während zum Beispiel die englische Premier League als Branchenführer laut einer Studie von Ernst & Young jährlich 175 Millionen Euro erzielt, erhält die deutsche Liga bis 2009 vom Auslands-TV-Rechteinhaber bwin lediglich rund 20 Millionen Euro. "Die Liga hat hier den Zug ein wenig verpasst", meinte Seifert.

"Die Menschen sind neugierig"

Der BVB in Indonesien und Cottbus in China sollen nun durch von der DFL geplante Testspiele und diverse Vor-Ort-Termine die PR-Maschine anwerfen. Seifert: "Wir wollen näher an der Vermarktung, näher am Produkt und näher an den Märkten sein." Bielefeld dagegen reist auf eigene Initiative in die chinesische Partnerstadt Wuhan. Der neue Trainer Michael Frontzeck tritt seinen Posten erst zum neuen Jahr an und ist nicht mit von der Partie.

Energie als Tabellenvorletzter ist dabei alles andere als eine Notlösung. Vielmehr war das Cottbuser Gastspiel ein ausdrücklicher Wunsch der Chinesen. Hintergrund ist der bei Energie unter Vertrag stehende Chinese Jiayi Shao, der in seiner Heimat sehr populär ist. "Die Menschen sind neugierig auf Energie. Die Bundesliga wird in China mit offenen Armen empfangen", sagte der Mittelfeldspieler. Manager Steffen Heidrich hofft, auf dem "gigantischen Markt" im Reich der Mitte Fuß fassen zu können. Dafür nimmt der Klub auch in Kauf, dass wichtige Regenerationszeit durch die Spiele gegen die heimische Olympia-Auswahl am Dienstag sowie das Nationalteam am Donnerstag verloren geht. Daheim geblieben ist jedoch Abwehrspieler Vragel da Silva, gegen den der DFB wegen eines Ellenbogenschlags im Spiel gegen Hannover 96 (5:1) ermittelt.

Für die Dortmunder ist der Trip nach Indonesien nach dem Polen-Gastspiel Anfang Oktober bereits die zweite Initiative dieser Art. "Für uns Spieler ist die Reise nicht unbedingt so ganz erfreulich, sie zeigt aber, welchen Stellenwert Borussia in der Fußball-Welt hat", meinte Torhüter Roman Weidenfeller. Am Mittwoch trifft der kriselnde Bundesliga-10. in Jakarta auf die indonesische Auswahlmannschaft. Die Bielefelder wollen während ihrer Tour mit Partien gegen den FC Wuhan (Dienstag) und den FC Shenhua (Donnerstag) den Kooperationsvertrag mit dem Klub aus Wuhan verlängern. Davon erhofft sich Arminia langfristig einen Vorsprung in der Jugendspieler-Ausbildung. "Der chinesische Fußball wird in Zukunft eine Vielzahl von guten Spielern hervorbringen", so Arminia-Präsident Hans-Hermann Schwick.




Was sich die DFL mit der Asien-Offensive langfristig erhofft, hat Oliver Kahn bereits erreicht. Um den Torwart und Kapitän von Bayern München herrscht in China seit der WM 2002 in Südkorea und Japan ein riesiger Hype, doch so einfach wird es die Bundesliga seiner Meinung nach nicht haben: "Es bringt wenig, einfach ein paar Mal hinzufahren und zu glauben, das würde genügen. Man muss permanent präsent sein."