Bundesliga-Fans im Ausland

Mia san überall!

Was machen 4000 Bayern-Fans in Mexiko? Wieso fiebern Syrer in Kriegszeiten mit Werder? Und wer ist Afrika-Kalle? Eine Suche nach Bundesliga-Spuren im Ausland.

Foto: Privat
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Die Bundesliga boomt. So wiederholen es die PR-Strategen der DFL jährlich aufs Neue. Wer allerdings nach Südostasien oder Lateinamerika reist, stellt schnell fest, dass die Bundesliga trotz aller Erfolge international immer noch ein Schattendasein fristet. HSV? No idea! Werder? Sorry! TSG Hoffenheim? What the hell?!  

Am anderen Ende der Welt boomen nach wie vor die Premier League und die Primera Division, und will man einen Fußballfan in Thailand oder Vietnam in Schnappatmung versetzen, lauten die Schlüsselbegriffe auch heute noch Manchester United, Arsenal, Barcelona oder Real Madrid. Es sei denn, man landet in Guadalajara, dort, wo sich Gerald Fiedler 2009 niedergelassen hat. Der Ur-Bayer, Jahrgang 1974, arbeitet in Mexiko als Regionalleiter einer deutschen Speditionsfirma, aber vor allem ist er: Hardcore-Fan des FC Bayern. 

Größter Fanklub außerhalb Bayerns

Fiedler hat in den vergangenen sechs Jahren den drittgrößten FC-Bayern-Fanklub der Welt und somit den größten außerhalb Bayerns aufgebaut. 4034 Bayern-Anhänger, Stand Juli 2016, zählt Fiedlers Gruppe mittlerweile. 4034 Bayern-Fans, 95 Prozent Mexikaner, sitzen jeden Samstagmorgen irgendwo in Guadalajara, Mexiko City oder Leon vor ihren Fernsehern, um die Bundesligaspiele des FC Bayern zu verfolgen. Sie singen: »Mia San Mex« oder »Mia San Apoyo«. Wir sind Mexiko. Wir sind Unterstützung. 

2009, als Fiedler nach Guadalajara zog, war das noch ganz anders. »Die Leute interessierten sich nur für spanischen Fußball«, sagt der Deutsche. »Dazu noch Premier League, etwas Serie A und die Champions League.« Auf seinem Fernseher musste er lange zappen, bis er einen Kabelsender fand, der gelegentlich Bundesligaspiele zeigte. 

Fiedler wollte das ändern. Zunächst aus Eigeninteresse, denn warum sollte er auf die Spiele des FC Bayern verzichten, nur weil er 10 000 Kilometer westlich und sechs Stunden zeitversetzt die Spiele sehen musste? Dann aber auch aus Nächstenliebe. Schließlich kann alleine das Bayern-Wappen auf der Brust ein Leben verändern. Es macht aus einem Jungen einen stolzen Mann, ganz egal, ob er in Schwabing, Papua-Neuguinea oder Guadalajara lebt.