Bundesliga-Check: SC Paderborn

Doch kein Farmteam

Seltsam, dass in Paderborn kein Freizeitpark steht. Die SC-Anhänger sind schließlich Achterbahn gewohnt. Ob der Außenseiter nach dem direkten Aufstieg auch im Oberhaus für Überraschungen sorgen kann?

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Rückblick
Seit Jahren hüpft der SC Paderborn wie ein Jojo durch die Ligen: von der ersten bis (fast) runter in die vierte und danach wieder rauf bis nach ganz oben. Der Durchmarsch in der vergangenen Saison kam zwar überraschend, die Möglichkeit dazu deutete sich aber bereits in der Vorrunde an, als die Paderborner den 1. FC Köln in dessen eigenem Stadion mit 5:3 auseinandernahmen. Überhaupt hielt sich die Mannschaft selten mit schnödem Ergebnisfußball auf: 76 Tore sprechen für einen großen Unterhaltungswert, 50 Gegentreffer für die Auffassung, dass es schönere Dinge im Leben gibt, als ängstlich sein Tor zu verteidigen.

Transfers
Die schlechte Nachricht zuerst: Der SC Paderborn hat mit Philipp Klement (zum VfB Stuttgart) und Bernard Tekpetey (nach Schalke, dann zu Fortuna Düsseldorf verliehen) zwei Spieler verloren, die ganz wesentlich zum Offensivspektakel der letzten Spielzeit beigetragen haben. Ohne den genialen Passgeber und Standardschützen Klement und den sagenhaft schnellen Flügelflitzer Tekpetey fehlen dem Paderborner Angriffsspiel zwei entscheidende Waffen. Doch jetzt kommt die gute Nachricht: Zuletzt ist es dem SCP immer wieder gelungen, substantielle Verstärkungen aus unteren Ligen zu rekrutieren – etwa die Offensivleute Sebastian Vasiliadis und Christopher Antwi-Adjej, die aus der dritten (Vasiliadis) oder sogar aus der fünften Liga (Antwi-Adjej) kamen und beide entscheidend zum Aufstieg beitrugen. Und so ist es vielleicht nur auf den ersten Blick beängstigend, dass die Klasse mit Hilfe von Neuzugängen aus Cottbus (Streli Mamba), Rostock (Marcel Hilßner) oder Siegen (Jan-Luca Rumpf) gehalten werden soll. Etwas bekannter sind da schon der Ex-Duisburger Cauly oder die erstligaerfahrenen Mainzer Gerrit Holtmann und Jannik Huth.

Boss-Level
Für die Paderborner war es bislang nicht nur sportlich ein bewegtes Jahr. Gleich im Januar starb im Alter von 67 Jahren der langjährige Präsident Wilfried Finke – ein Mann, ohne dessen Engagement der Verein wahrscheinlich ein wackerer Amateurligist wäre. Ein kantiger, ketterauchender westfälischer Unternehmer, der auch schon mal einen Stefan Effenberg als Trainer verpflichtete, um ihn dann, als er merkte, dass der Typ nicht zu seinem Klub passt, gleich wieder fachgerecht zu entsorgen. Fortan fehlt nicht nur Finke, sondern auch Sportchef Markus Krösche, der sich in den letzten Jahren als wahres Trüffelschwein beim Casting einer günstigen, aber guten Mannschaft erwiesen hat und ab sofort in ähnlicher Funktion für RB Leipzig tätig ist (wo die Mannschaft nur gut, aber nicht günstig sein muss). Krösches Nachfolger im Amt ist sein bisheriger Assistent, der Orthographieschreck Martin Przondziono. Beruhigend, dass wenigstens Erfolgstrainer Steffen Baumgart dem SC Paderborn erhalten bleibt und voraussichtlich sogar seinen Vertrag verlängert.

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