Buffon überragt in Lyon

Mamma mia, Gigi!

Der alte Mann kann es noch! Gegen Lyon zeigte Gigi Buffon, dass er immer noch zu den besten seiner Zunft zählt. Eine Lobhudelei auf eine Leistung, die selbst den gegnerischen Torwart zu einer besonderen Geste bewog.

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Mit Geschichten von und über Gigi Buffon ließen sich vermutlich ganze Regalwände füllen. Seine Titelsammlung übertrifft die eines durchschnittlichen Bundesligisten um Längen, er ist Rekordnationalspieler Italiens und  - natürlich - auch als Privatmann eine interessante Figur: Supermodel-Freundinnen, der eigene Klub, eine Depression, die er mit Bildern des Künstlers Marc Chagall überwand. Und das wäre erst der Anfang des Anfangs, sich ihm zu nähern.

Doch die vielleicht größte Geschichte Gigi Buffons ist, dass er immer noch und immer wieder kleine Geschichten schreibt. So wie gestern Abend in Lyon. Ein ordinäres Gruppenspiel in der Champions League, sein 98. insgesamt. Drei Monate vor seinem 39. Geburtstag.

Ein passionierter Gambler, der sich nicht auf das Glück verlassen will

Zu Beginn dominiert Juventus das Spiel gegen die junge, französische Mannschaft, der es sichtbar schwer fällt, der souveränen Abgeklärtheit der »Alten Dame« auch nur irgendetwas anderes entgegenzusetzen, als Nervosität. Doch irgendwann kippt die Partie. Aus Abgeklärtheit wird Nachlässigkeit, aus Nervosität wird jugendlicher Trotz. Das Stade de Lyon, 54.000 Zuschauer, wird zum frenetischen Tollhaus, es bläst zur Attacke auf den italienischen Rekordmeister.

Und mittendrin steht das wohl beweglichste Denkmal der Welt, steht Gigi Buffon, in seiner 21. Saison als Profi und trotzt dem Sturm und Drang. Zunächst ist es ein von Lyons Starstürmer Alexandre Lacazette geschossener Elfmeter, den er abwehren kann. Doch Elfmeter parieren, das ist immer auch ein Glücksspiel. Und auch wenn Buffon - noch so eine Geschichte - ein passionierter Gambler ist, im Tor will er sich auf das Glück allein ganz sicher nicht verlassen.

Die Zuschauer halten den Atem an

Dass er das auch gar nicht nötig hat, stellt er schon kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit unter Beweis. Aus kurzer Distanz setzt der Gegner zum Schuss an, es ist einer dieser Bälle, die selbst in der verlangsamten Wiederholung noch wirken wie ein Geschoss. Buffon taucht in die linke Ecke ab, ehe der Ball am Eisenbein von Juve-Verteidiger Leonardo Bonucci in die entgegengesetzte Richtung abgelenkt wird. 

Buffon scheint geschlagen, das sagen die Erfahrungswerte, sagt das Gefühl für Möglichkeiten. Doch irgendwie, und anders als mit irgendwie lässt sich das Geschehene nicht beschreiben, schnellt sein rechter Arm in Richtung Himmel, da der Rest seiner heiligen Knochen weiter Richtung Boden sinkt. Buffon hält den Ball, und die Zuschauer den Atem an.