Buch zeigt Jubelbotschaften von Fußballspielern

Das Frankenstein-Unterhemd

Die meisten dieser Botschaften sind ja Unikate. Sticht für dich eins besonders hervor? Das Frankstein-Unterhemd von Sebastián Abreu. 

Wie bitte? Ok, da muss ich ausholen. Der Uruguayer Sebastián Abreu trug bei der WM 2014 dieses Unterhemd, das komplett vollgekleistert war: Ein Familienfoto, mehrfach seine Trikotnummer, die »13«, dazu dutzende Vereinswappen von Clubs, bei denen er gespielt hat. Bei der Recherche haben wir dann herausgefunden, dass das Unterhemd sogar zur Hälfte aus einem ehemaligen Trikot seines Vaters besteht. Zu jedem besonderen Spiel trägt er dieses Collagen-Unterhemd. Eine echte Frankenstein-Kreation.

Und gibt es auch Botschaften, die du persönlich besonders bescheuert findest? Naja, wenn ein Paolo Di Canio nationalistische Botschaften auf dem Feld zeigt, stößt mir das schon sehr sauer auf. Wir haben in dem Buch ein ganzes Kapitel mit politischen Botschaften, von denen manche eben extrem sind. Andere finde ich dagegen gut, zum Beispiel die von Carlos Tévez, als er sich mit Bewohnern der Armutsviertel in Argentinien solidarisierte.

Welche Botschaft aus dem Buch hat dich am meisten beeindruckt? Die Geschichte von Billy Sharp, einem Spieler der Doncaster Rovers. Im November 2011 machte er ein Tor gegen den FC Middlesbrough - drei Tage nachdem sein Sohn verstorben war. Du musst dir das vorstellen: Er macht also dieses absolute Traumtor, rennt zur Eckfahne, stülpt sich das Trikot über den Kopf und auf seinem Unterhemd steht: »That's for you son«. 

Das ist ja herzzerreißend... Ja, es war ein ganz besonderer Moment. Der Schiedsrichter gab ihm draufhin keine gelbe Karte. Alle Zuschauer, wirklich alle, klatschten. Sie verstanden, dass hier ein Spieler versucht, auf diese Weise mit diesem schrecklichen Verlust umzugehen. Sowas würde aufgrund der Fifa-Regelung heute nicht mehr passieren.

Craig Oldham, Rick Banks. I belong to Jesus. Eigenverlag. 192 Seiten. 39 Euro. http://www.ibelongtojesus.co.uk/