Brasilien vor dem Spiel um Platz 3

Fred, schlechtester Spieler der WM?

Neymar bedankte sich vor der Abreise nach Brasilia ausdrücklich dafür, »dass ich mit Spielern wir Julio Cesar und Fred in einer Mannschaft stand«. Wie anders könnte das interpretiert werden denn als Abschiedsgruß? Der Torhüter Cesar ist 34 Jahre alt und spielt beim bevorstehenden Neuaufbau keine Rolle mehr. Beim Stürmer Stürmer Fred, 30, spielt das Alter keine entscheidende Rolle, aber mit seiner Tapsigkeit und seinem Mangel an Esprit steht er für genau den Fußball, mit dem die Brasilianer nichts mehr zu tun haben wollen. Nach der Humilhaçao historica, der historischen Demütigung gegen die Deutschen, listeten die Zeitungen Statistiken auf, nach denen Fred eine schlechtere Passquote hatte als Manuel Neuer und nur unwesentlich mehr gelaufen war. In einer Umfrage von ESPN Brasil hat er beste Chancen, zum schlechtesten Spieler des Turniers gewählt werden.

Irgendwie durchmogeln

Das Festhalten am glück- und erfolg- und mittellosen Fred ist einer der großen Kritikpunkte an der Arbeit des Nationaltrainers. Luiz Felipe Scolari muss nicht zurücktreten und auch nicht entlassen werden, denn sein Vertrag läuft nach der WM aus. Scolari ist 65 Jahre alt und niemand behauptet ernsthaft, er und sein sechs Jahre alter Gefolgsmann Carlos Alberto Parreira könnten einen Neuaufbau einleiten. Scolari und Parreira stehen für das Vergangene. Für die bislang letzten WM-Titel, gewonnen 2002 in Fernost und 1994 in den USA. Für den brasilianischen Hang zum Selbstbetrug, für die Hoffnung, es werde schon irgendwie weitergehen, zur Not mit einem »Jeitinho«, einem dieser Tricks und Kniffe, mit denen sich die Brasilianer gern durch den Alltag mogeln. Jetzt, da dieser Selbstbetrug auf dem Fußballplatz aufgeflogen ist, erinnern sie sich zwischen Fortaleza und Florianopolis an Scolaris Jobs, bevor er im Herbst 2012 aus der Rente heraus nach der Entlassung von Mano Menezes zum Nothelfer für die WM rekrutiert wurde. Beim FC Chelsea musste er schon nach ein paar Monaten gehen und mit dem Traditionsklub Palmeiras Sao Paulo stieg er nur deshalb nicht ab, weil er ein paar Wochen zuvor die Kündigung bekam.

Spät erst wundert sich das Land über Scolaris seltsame Taktik, in der etwa der Torhüter überhaupt nicht in die Spieleröffnung einbezogen wird. Seine Trainingsmethoden gelten als antiquiert, bei der Zusammenstellung des Kaders soll der Aberglaube eine gewichtige Rolle gespielt haben - Scolari wollte das Glück zwingen mit fast der identischen Mannschaft, die vor einem Jahr den sportlich eher unbedeutenden Confed-Cup gewonnen hatte. Also auch mit Fred, obwohl der sich eine Saison lang von Verletzung zu Verletzung gequält und kaum getroffen hatte.

Ein Nachfolger für Scolari

Scolari beharrt vor seiner Abschiedsvorstellung darauf, »es sei gut gelaufen bis auf diese sechs Minuten mit vier Gegentoren gegen die Deutschen«. Er würde alles wieder so machen und immerhin sei Brasilien mit ihm ins Halbfinale eingezogen, zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft seit zwölf Jahren. Das aber war nicht der Anspruch, und deswegen läuft auch schon die Suche nach einem Nachfolger. Der Favorit heißt Adenor Bacchi, die Brasilianer nennen ihn Tite. Der Mann hat vor bald zwei Jahren gewonnen, was Scolari diesmal verwehrt blieb, nämlich die Weltmeisterschaft. Im Dezember 2012 triumphierte Tite mit den Corinthians aus Sao Paulo bei der Klub-WM in Japan.