Bochum trennt sich von Kuntz

Ein Verlierer: VfL

Der Fußball-Bundesligist strebt das Ende der Zusammenarbeit mit dem Sportvorstand bis Mitte April an. Nach Ansicht der Fans gibt es nach dem Machtkampf zwischen Aufsichtsrat und Kuntz vor allem einen Verlierer: den VfL. Bochum trennt sich von Kuntzimago images
In den letzten Tagen war die See um den VfL Bochum ruhig geworden, zu ruhig anscheinend. Denn gestern Abend sah sich der Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten genötigt, mit einer Erklärung kräftigen Wind über das stille Wasser zu schicken. Tenor: Wir haben alles gemacht, um Stefan Kuntz als Sportvorstand zu halten, aber er wollte ja nicht. Was wohl nur der halben Wahrheit entspricht. Denn zu dem Zeitpunkt, als der Aufsichtsrat – laut der Erklärung von gestern Abend im Februar dieses Jahres – das Angebot gemacht hat, den Vertrag zu verlängern, lag längst ein anderes Papier auf dem Tisch, das eine Zusammenarbeit nach Ansicht des Vorstandes kaum mehr möglich gemacht hätte.

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Im November letzten Jahres sollte der Vorstand des VfL Bochum – also Ansgar Schwenken und Stefan Kuntz – unterschreiben, dass ab sofort jede Entscheidung über einen gewissen Rahmen hinaus zunächst vom Aufsichtsrat abgesegnet werden müsse. Der Rahmen soll dabei sehr eng gesteckt worden sein, so eng, dass der Vorstand ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben habe, ob dies überhaupt satzungskonform sei. Dem Gutachten folgte ein Gegengutachten des Aufsichtsrates, bis heute sollen weder Schwenken noch Kuntz das Papier unterschrieben haben. Deshalb lehnte Kuntz im Februar auch das Angebot des Aufsichtsrates zu einer vorzeitigen Vertragsverlängerung ab, weil er die Basis für eine gedeihliche Zusammenarbeit nicht mehr gegeben sah. Zu der Erklärung mochte Stefan Kuntz am Donnerstag nicht Stellung nehmen. »Ich möchte dem VfL Bochum nicht schaden, ich sage dazu nichts.«

Noch lange kein Schlussstrich

Laut der Pressemeldung des Vereins wird eine Beendigung der Zusammenarbeit mit dem 45-jährigen Kuntz, der seit Tagen beim abstiegsbedrohten Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern als neuer Vorstandsvorsitzender gehandelt wird, in der ersten Hälfte des kommenden Monats angestrebt. Seine Aufgaben im Lizenzspielerbereich wird kommissarisch Trainer Marcel Koller wahrnehmen, für die übrigen Aufgaben soll Ansgar Schwenken verantwortlich zeichnen, bis ein Nachfolger bestellt ist. Es wird wohl noch eine ganze Zeit dauern, bis unter die ganze Angelegenheit ein Schlussstrich gezogen werden kann. Denn es bleiben nach wie vor viele Fragen offen. Eine davon ist, warum das Gremium Aufsichtsrat mit Werner Altegoer an der Spitze es überhaupt zu einer Eskalation hat kommen lassen. Altegoer gab jüngst in einem Interview mit Reiner Callmund zu, dass er mit Kuntz „ein freundschaftliches Verhältnis” hatte, das gelitten habe. Nach Ansicht vieler Fans hat Altegoer vordergründig einen Machtkampf gewonnen, den die meisten für völlig überflüssig halten. Für sie hat unter dem Strich vor allem einer verloren: der VfL Bochum.