Bochum - Frankfurt 4:3

Schreck, lass nach!

Sieben Tore, ein Rekord-Platzverweis als Knackpunkt und Spannung wie bei Hitchcock: Der VfL Bochum und Eintracht Frankfurt boten ihren Fans in einem kuriosen Freitag-Spiel ein Wechselbad der Gefühle. Imago Während sein Bochumer Kollege Marcel Koller mit einem breiten Grinsen im Gesicht vom `absoluten Spaß-Spiel´ sprach, kündigte der sichtlich bediente Funkel seinen `arroganten´ Profis nach der völlig unnötigen 3:4 (2:3)-Pleite eine Standpauke erster Güte an.



`Diese Niederlage ärgert mich maßlos. Es war noch nie so leicht, in Bochum zu gewinnen. Ich werde einige ernste Worte mit meiner Mannschaft sprechen´, meinte Funkel.


Fassungslose Eintracht

Über die Vorfälle in der ersten Halbzeit konnte der Ex-Profi noch eine Stunde nach Spielende nur fassungslos den Kopf schütteln. Dabei hatte die Eintracht einen Traumstart erwischt. Albert Streit gelang mit seinen Toren nach 45 Sekunden und in der fünften Minute der zweitschnellste Doppelpack der Liga-Historie. Danach waren der VfL und seine Fans (`Wir haben die Schnauze voll´) mit den Nerven am Ende, und allein die Eintracht baute den `toten Gegner´ (Ioannis Amanatidis) wieder auf - allen voran Alexander Vasoski. Der Abwehrspieler brachte in der 29. Minute Theofanis Gekas zu Fall und sah von Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) die Rote Karte. Es war bereits der dritte Platzverweis des Mazedoniers in der laufenden Saison - bis zum 13. Spieltag hat dies in der 43-jährigen Liga-Geschichte noch keiner geschafft. `Er stand falsch und hat ihn getroffen. Das war Rot und Elfmeter, da gibt es keine Diskussionen´, sagte Funkel, der sich über mögliche Konsequenzen für Vasoski ausschwieg.

Er habe nach dem 2:0 gespürt, dass seine Mannschaft unkonzentriert und leichtfertig werde, sagte Funkel, `sie hat arrogant und überheblich gespielt´. Die nach dem Elfmeter-Treffer durch Zvjezdan Misimovic noch vor der Pause folgenden VfL-Tore von Marcel Maltritz (33.) und Heiko Butscher (36.) schrieb Funkel `dilettantischem Abwehrverhalten bei Standardsituationen´ zu. Erst nach dem 4:2 durch den zwar nur in dieser Situation effektiven, aber dennoch überragenden Gekas (46.) fand die Eintracht zur Ordnung zurück. In Unterzahl gelang dann sogar der schnelle Anschlusstreffer durch Amanatidis (56.), der Ausgleich fiel trotz einiger guter Chancen gegen immer nervösere Bochumer aber nicht mehr. `Das hätte auch nur die schlechte Leistung meiner Mannschaft kaschiert´, meckerte Funkel: `Die Mannschaft hat jetzt die verdammte Pflicht, hart zu arbeiten und am nächsten Samstag einen Sieg gegen Dortmund einzufahren.´ Die gescholtenen Spieler zeigten immerhin Einsicht. `Wir haben uns alle unglaublich dumm angestellt. So eine Niederlage darf nie passieren´, sagte Streit.

Koller fällt ein Stein vom Herzen

Die Bochumer feierten derweil den lange ersehnten zweiten Sieg im Ruhrstadion und das Ende der Heimmiesere überschwänglich. `Wenn man so zurückkommt und ein Spiel dreht, beweist das, dass man eine starke und auch willensstarke Mannschaft hat´, sagte Koller, den `ein paar graue Haare mehr´ nicht weiter störten. In der Tat scheint das Selbstvertrauen der von den eigenen Fans zuvor als `Heimtrottel´ beschimpften VfL-Profis plötzlich grenzenlos. Mittelfeldspieler Oliver Schröder, in der Anfangsphase des Spiels in einer schwachen Bochumer Mannschaft mit Abstand der schlechteste Spieler, hatte schon den kommenden Freitag und das kleine Revierderby bei Schalke 04 im Auge: `Ich glaube, es wird nicht einfach werden für die Schalker.´

Eindrucksvoller Rekord: Vasoski hat in 13 Spielen dreimal Rot gesehen. Aber wer ist der schlimmste Treter der Bundesligageschichte? Diskutiert mit www.11freunde.de/forum/6/1163859012 !