Blogschau: Marica trifft huntelaaresk, Klopp spricht chinesisch

Wir müssen über Ciprian reden

Favoritensiege soweit das Auge reicht: Die Bundesliga präsentiert sich auf den ersten Blick wie immer und ist doch ganz anders. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass ausgerechnet Ciprian Marica zum Mann des Spiels wird und Jürgen Klopp feinstes Chinesisch reden möchte? Blogschau: Marica trifft huntelaaresk, Klopp spricht chinesisch

Text der Woche
Was wurde Horst Heldt bis jetzt belächelt. Die Verpflichtung des phlegmatischen Stürmers Ciprian Marica wurde zunächst als glatter Fehleinkauf abgestempelt. Doch am Samstagabend kam »Tschippie« aus dem Windschatten der (verletzten) Konkurrenz und avancierte zum Schalker Mann des Spiels. Derhatdochschongelb.de sah beim Auswärtssieg in Köln einen königsblauen Riesen , der wankte, aber nicht hinfiel. Zu verdanken sei das in erster Linie »Marica, ja Marica« der sich geradezu »huntelaaresk« durch den Strafraum der Rheinländer bewegte und so seine beiden ersten Treffer in der Bundesliga für Schalke erzielen konnte. So wie einst Edu im Giuseppe Meazza. Nur ohne Champions League und im RheinEnergieStadion. Bis dahin sah die Bloggerin »60 unterirdische Minuten«, die man sich auch nicht immer erlauben kann. »Aber dennoch möchte ich im Moment nicht meckern, sondern freue mir ein Loch in den Bauch.« Selbst die verzögerte Vertragsverlängerung von Raul ist kein großer Unruheherd, solange »die jungen Wilden auf dem Platz wie alte Hasen agieren«, ist der Señor nicht zwingend notwendig. 

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Bester Spruch
»In Chinesisch – im feinsten Mandarin.«
(Jürgen Klopp antwortet auf die Frage, in welcher Sprache er den FC Bayern, bei aller bisherigen Zurückhaltung, denn zum Titelkampf auffordern würde.)

Fundstück
Stephan Hain tanzt aus der Reihe. 20 Sekunden brauchte der Stürmer vom FC Augsburg am 19. Spieltag, bis er den Ball mit seiner ersten Berührung im Gehäuse des 1. FC Kaiserslautern unterbringen konnte. Und das nach einer wirklich schicken Kombination. Vorher hatte er 65 Minuten auf der Bank geschmorrt und zusehen müssen, wie der Kollege Mölders ein ums andere Mal vor dem Kasten von Kevin Trapp scheiterte. Nach dem Spiel gab es vom Torschützen aufmunternde Worte: »Es schießt ja keiner absichtlich daneben.«


Kontroverse

Überraschung, denn: Es geht hier um Michael Ballack. Um den ehemaligen Capitano aus Chemnitz, der sich nun nicht mehr nur mit Jogi Löw zerstritten hat, sondern auch mit seinem Verein Bayer Leverkusen und beim Spiel in Bremen 90 Minuten lang die Bank wärmen durfte. Der Bayer04-Blog catenaccio weigert sich größtenteils Stellung zu beziehen und beruft sich auf ein Zitat von Verteidiger Manuel Friedrich, der die Angelegenheit irgendwo zwischen Gleichgültigkeit und Galgenhumor einordnet: »Ballack beschäftigt mich total. Ich konnte drei Tage lang nicht schlafen. Ich bin froh, dass ich überhaupt 90 Minuten durchgehalten habe.« Rein sportlicher Natur ist das Interesse vom Blogger an der Unruhe im Verein, das Thema Ballack wird bewusst nüchtern betrachtet: »Er spielte gestern nicht und wurde auch nicht vermisst.« So einfach kann das gehen. Statt dem ehemaligen Leitwolf liefen Stefan Reinartz, Lars Bender und Simon Rolfes auf, die ihre Sache dermaßen gut machten, dass Leverkusen »eine der besten Leistungen der Saison ablieferte.«

Blog-Tip
Frei nach dem Motto »Abseits is', wenn dat lange Arschloch zu spät abspielt,« von Hennes Weisweiler, präsentiert sich der allgemeine Fußball-Blog 5 Freunde im Abseits. In regelmäßigen Abständen schreiben fünf Blogger aus der Tiefe des Raumes über alles, was irgendwie mit Fußball zu tun hat. Keine stumpfen Spieltagsanalysen, sondern skurrile und lesenswerte Geschichten abseits des Platzes. Jüngstes Beispiel ist der äußerst gelungene Kommentar zu Lothar Matthäus' neuem Job als »Reality-Soap-Star« bei VOX: »Der ausstrahlende Sender hat zwar noch keinen Sendetermin bekanntgegeben, ordnet Matthäus aber auf einer Skala mit Daniela Katzenberger ein.« Dabei ist seine Verzweiflung und die Sehnsucht nach öffentlichem Interesse so groß, »dass er damit auch seinen Traum vom Job als Bundesligatrainer aufgibt«. Denn mit diesem Job dürfte klar sein, dass der ehemalige Weltfußballer endgültig seine Seriosität aufgegeben hat.