Biermanns Matchplan (8): Deshalb krankt die Liga an Torarmut

Die Schrecken der Pressingmaschinen

Nie zuvor in der Geschichte der Bundesliga wurden so wenig Tore geschossen wie derzeit, und Bundestrainer Löw nörgelt über die Spielstärke. Die Probleme könnten mit dem geheimnisvollen Wert PPDA zu tun haben. 

imago

Sieben Spieltage in der Bundesliga sind vorbei, und angesichts kriselnder Bayern sieht es danach aus, als würde es in der Bundesliga endlich mal wieder einen einigermaßen offenen Kampf um die Deutsche Meisterschaft geben. Womit sich zumindest jene Beschwerde vorläufig erledigt hätte, dass es kein wirkliches Titelrennen gibt, sondern 17 Bundesligisten für die Bayern höflich Spalier stehen.

Dennoch bleibt ein unüberhörbares Murren an der Liga, das nach der historischen Null-Punkte-Woche in den europäischen Wettbewerben noch lauter wurde. Bundestrainer Löw hat die Bilanz vorgestern sogar als »alarmierend« Bezeichnet. Das gilt sicherlich auch für die Zahl erzielter Tore, bei denen die Bundesliga gerade auf einen historischen Minusrekord zusteuert. Bislang sind 2,44 Tore pro Spiel gefallen, so wenige wie in allen vorangegangenen 54 Spielzeiten nicht. 

Ein Blogger, der Jürgen Klopp entschlüssen wollte 

Mit Blick auf die schlechte internationale Bilanz hatte Löw gesagt: »Es gibt Gründe, warum das so ist. Darüber sollte man sich Gedanken machen.« Wie diese Gründe aussehen, hat er jedoch genauso für sich behalten, wie die Gedanken darüber.

Woran das möglicherweise liegt, kann anhand eines relativ neuen statistischen Werts illustriert werden, der den abschreckend langen Namen Passes Per Defensive Action trägt, abgekürzt PPDA. Diese Metrik hat der nordirische Blogger Colin Trainor entwickelt (übrigens, um die Spielweise des BVB unter Jürgen Klopp zu analysieren), heute wird sie von OptaPro zu jedem Spiel ermittelt.

Kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Index

Ermittelt wird der Wert auf den aus Sicht der verteidigenden Mannschaft vorderen 60 Meter des Spielfelds, also die komplette gegnerische Hälfte plus zehn Metern der eigenen. Dabei wird die Frage gestellt: Wie viele Pässe erlaubt man dem Gegner, bevor man eine Defensivaktion startet? Wie oft also darf der Gegner sich den Ball zuspielen, bevor man ihn abfängt, den Gegner durch ein Tackling (erfolgreich oder erfolglos) bedrängt oder ihn foult.

Das Ergebnis ist in kein Qualitätsmerkmal, sondern eine Art Index für hohes Pressing. Es beschreibt also den Stil einer Mannschaft - oder den einer Liga, wie die Übersicht zeigt.

 

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!