Biermanns Matchplan (7) - Woran Köln momentan scheitert

In die Falle gelaufen

Der 1.FC Köln ist katastrophal in die Saison gestartet. Viele glauben, dass vor allem der Verlust von Torjäger Modeste daran schuld ist. Doch das ist nicht der entscheidende Grund. Die Ursache für den Fehlstart ist eine andere - eine, die auch andere Klubs leiden lässt.

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Der beständige Aufstieg des 1.FC Köln vom schüchternen Wiederaufsteiger über einen stabilen Bundesligisten bis zum Europacup-Teilnehmer schien bislang die Persönlichkeit des Trainers zu spiegeln. Peter Stöger signalisierte in einem grundaufgeregten Umfeld vor allem ganz viel tiefenentspannte Unaufgeregtheit. Der Österreicher leistete sich nur die Exzentrik auffallender Brillenmodelle, der auf dem Platz Torjäger Anthony Modeste entsprach, der die souveräne Kontrolliertheit seines Teams mit haufenweise Toren veredelte.

Doch seit der Franzose im Sommer unter großem Getöse für die Fabelablöse von fast 35 Millionen Euro nach China wechselte, stimmt diese Geschichte nicht mehr. Peter Stöger ist zwar immer noch unaufgeregt und trägt weiterhin erstaunliche Brillen, aber nach sechs Spielen in der Bundesliga hat der 1.FC Köln gerade mal einen Punkt geholt und ist ziemlich überraschend Tabellenletzter.

Die Abwehr ist plötzlich löchrig

In diesem halben Dutzend Partien hat die Mannschaft nur ein einziges Törchen geschossen. So wird in Köln verbissen darüber diskutiert, ob der neue Mittelstürmer Jhon Cordoba zum Ersatz für Modeste werden kann oder wer sonst die Tore schießen soll. Was dabei dabei etwas außer Betracht gerät, ist die neue Löchrigkeit der Abwehr des 1.FC Köln. Schon 11 Gegentore kassierte die Mannschaft, also 1,8 im Schnitt pro Spiel, in der vergangenen Saison waren es nur 1,2 Gegentore.

Nun ist diese Quote nach nur sechs Spielen noch nicht aussagekräftig, und Köln kassierte fünf Gegentore in Dortmund, wo diese Saison vermutlich noch mehr Gegner die Bude vollbekommen. Doch auch andere Defensivparameter sehen nicht gut aus. Das gilt etwa für jene Packing-Werte, die ausweisen, wie oft eine Defensive überspielt wurde. Ein Verteidiger - damit sind die letzten fünf Feldspieler in der jeweiligen Spielsituation gemeint - gilt dann als überspielt, wenn er bei gegnerischem Ballbesitz nicht mehr zwischen Ball und Tor ist. Folglich kann er nicht mehr beim Verteidigen des Tores helfen. Kölns Wert der Vorsaison, der drittbeste der Liga, ist von 36 auf 46 gestiegen. Nur ist ein steigender Wert in diesem Fall keine gute Nachricht, denn zehn Verteidiger, also zweimal die komplette Abwehr wurde pro Partie mehr überspielt als in der Vorsaison.


Auch in Frankfurt dürften sie darüber die Stirn in Falten legen, doch die größte Abweichung aller Bundesligisten hat der 1.FC Köln aufzuweisen. Nur beim FC Augsburg hat sich der Wert in ähnlichem Maße verändert - allerdings verbessert. Es gibt noch eine weitere Defensivstatistik auf der Basis von Packing, mit ihr kann man die Gefährlichkeit der eigenen Ballverluste bemessen. Dabei wird gezählt, wie viele der eigenen Spieler man durch einen Ballverlust aus dem Spiel nimmt. Ganz gut klar machen kann man sich das an einem Extremfall: Der Torwart spielt beim Abschlag dem gegnerischen Mittelstürmer den Ball in die Beine. Damit hat er zehn eigene Leute aus dem Spiel genommen, schlimmer geht es nicht.

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