Biermanns Matchplan (3): Warum Topklubs Lars Stindl jagen müssten

Jogis wunderbare Welt des Offensivspiels

Bundestrainer Löw hat den härtesten Kampf aller Zeiten um die Plätze im Nationalteam ausgerufen. Warum Lars Stindl dafür die allerbesten Karten hat, und weshalb Mario Gomez und Timo Werner Konkurrenten sind.

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Als Bundestrainer Joachim Löw dieser Tage seine Spieler zu den ersten Länderspielen der Saison heute in Tschechien und am Montag gegen Norwegen einlud, hatte er blendende Laune. Der Fußballsommer mit dem eigentlich ungeliebten Confed-Cup und der für den deutschen Nachwuchs überraschend erfolgreichen U21-Europameisterschaft hat ihm nämlich eine so nicht erwartete Situation beschert: Plötzlich gibt es Konkurrenzkampf auf fast allen Positionen. Das ist einerseits schön, weil es sich auch etablierte Kräfte nicht in der mentalen Hängematte bequem machen dürfen. Außerdem gibt es wirklich neue Kräfte, die beim Confed-Cup in Russland einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen haben: Niklas Süle in der Abwehr, Leon Goretzka und Benjamin Henrichs im Mittelfeld sowie Lars Stindl und Timo Werner im Sturm.

Um die Optionen von Jogis wunderbare Welt des Offensivspiels etwas genauer auszuloten, haben wir uns die Packing-Daten von drei Spielern angeschaut, die hier miteinander konkurrieren: der Gladbacher Stindl, der Leipziger Werner und das inzwischne 32 Jahre alte Mittelstürmer-Schlachtross Mario Gomez.

Bei den Packing-Daten geht es bekanntlich um die Frage, wieviele gegnerische Spieler durch eine Aktion nicht mehr in der Verteidigung mithelfen können, also »gepackt« sind. Hier schauen wir auf drei Kategorien. Wieviele gegnerische Spieler konnten aus dem Spiel genommen werden, weil ein Angreifer sich als »Zielspieler« so gut bewegt hat, dass durch einen Pass zu ihm mehrere Gegner gepackt wurden. Der zweite spezifiziert diesbezüglich noch einmal die Zahl der gepackten Verteidiger. Der dritte Wert bewertet die Spieler nicht als Empfänger, sondern als Absender. Wie viele Verteidiger haben sie selbst durch einen Pass oder Dribbling überspielt. Eins kann man vorneweg sagen: Diese Statistik ist außergewöhnlich.



Die Zahlen machen das unterschiedliche Profil der drei Spieler deutlich. Lars Stindl ist einer, den man im taktischen Neusprech einen Halbraumstürmer nennt. Er bewegt sich also nicht in vorderster Linie, sondern in den Räumen zwischen gegnerischen Mittelfeld- und Abwehrspielern. Stindl, der früher mal ein defensiver Mittelfeldspieler war, ist heute ein Hybrid aus Stürmer und Mittelfeldspieler. In den Halbräumen ist er so gut anspielbar wie kein anderer in der Bundesliga, 67 Gegner nimmt er auf diese Weise im Schnitt pro 90 Minuten aus dem Spiel. Diesen Bundesligaspitzenwert hat Stindl beim Confed-Cup noch auf unglaubliche 89 hochgeschraubt, was auch Löw beeindruckt haben dürfte. 

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