Bielefeld kämpft sich eine Runde weiter

Reload drücken, bis es passt

Wo geht dieses Jahr die Reise für Arminia Bielefeld hin? Woche um Woche pilgert Sascha Hagemann von blog05.de zu den Spielen ins Stadion. Doch statt einer Erkenntnis bringt er nur eine Tüte voller Fragezeichen mit nach Hause. imago images
Wo sind sie hin, die einstudierten Laufwege, die Eingespieltheit, die erkennbaren Spielzüge, die uns in den vergangenen Jahren das (zugegebenermaßen streitbare) Gütesiegel vom Konzeptfußball™ einbrachten - sich aber vor allem als taugliches Konzept erwiesen hatte, punktuell fehlende individuelle Klasse eines stets bescheiden wirtschaften müssenden Klubs durch mannschaftliche Geschlossenheit und automatisierte Abläufe wettzumachen? Warum drängt sich stattdessen bloß ein Eindruck zwischen Einfallslosigkeit und Hühnerhaufen auf?

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Warum machen wir unsere lustigen Fahrstuhlfahrten nicht mehr nur zwischen den Ligen, sondern längst auch innerhalb der Spielzeiten, zwischen Bayernjäger und Bremen-Blamage? Warum wird um einen irakischen Mittelfeldmann gebuhlt, der ja doch erst wieder 6 Monate Eingewöhnungszeit brauchen würde, während Kobylik und Marx mit der demütigenden Oberliga-Degradierung vorbildlich umgehen und durchaus große Bereitschaft zeigen, sich wieder ins Team zu spielen?

Warum setzt Ernst zwischenzeitlich scheinbar alles daran, fussballerische Goldstückchen wie Kamper (und vor seiner ewig andauernden Verletzungspause auch Zuma) aus Bielefeld zu vergraulen? Spieler der Kategorie Buckley/Boakye/Reina - die keinesfalls in "rosaroter Fanbrillen-Sicht" über jeden Zweifel erhaben sind, die aber gerade ein Verein wie Arminia doch unbedingt benötigt, um einem in aller Regel eher "grundsoliden" Kader die nötigen, oftmals spielentscheidenden Farbtupfer zu geben, die ihn letztlich besser machen als mindestens 3 andere Bundesligisten?

War der spielerisch einwandfreie Auftakt in Wolfsburg wirklich das einzig gute Spiel (bis zum ordentlichen 0:0 in Karlsruhe) und die anfängliche Ausbeute nur Augenwischerei? Warum wecken die beiden Griechen Masmanidis und Kampantais eine geradezu irrationale Sehnsucht nach Fatmir's früherer Spielweise hinter den Spitzen?

Woher soll die nötige Sicherheit eigentlich kommen, wenn fehlendes Selbstvertrauen (aufgrund fehlender Punkte) durch die unberechenbare immer-Unruhe-provozierende Masche Middendorps womöglich völlig kontrapoduktiv nur noch verstärkt wird anstatt damit wie erhofft "ein paar zusätzliche Prozentpunkte rauszukitzeln"?

Statt Antworten oder wenigstens Ansätze auf selbige wurde obige Fragenliste seit Anfang September irgendwie bloß immer länger und länger.

Bis gestern!

Sieg in Koblenz. Über die Arminia-Filiale. Einzug ins DFB-Pokal-1/8-Finale. Hart erkämpft, hochverdient. Kammerflimmern mit Herzstillständen vor allen Bielefelder Radiogeräten zum Trotz (danke, Uli Zwetz). Und mag der Kicker auch noch so viel weiterzweifeln, Ernst "Hugh - ich habe gesprochen" Middendorp stellt klar:

Wer entscheidet, wie lange ich Trainer in Bielefeld bin - das bin ich.

Und auch blog5 - als stets positiv denkendes Vereinsorgan Fanprojekt - legt sich kurzerhand fest: Das war die Wende. Die Trendwende zum Guten. Ohne Scheiß jetzt. Beweis? Marcus hat sich heute morgen sofort drangesetzt, die heute Abend im ZDF stattfindende Pokal-Auslosung vorzuverlegen und für jeden nachvollziehbar zu machen:

Zum Achtefinalauslosungssimulator

Das Beste: Bei Nicht-Gefallen (z.B. Auswärts in Bremen) einfach so lange Reload drücken, bis es paßt.

Ach wär das Dasein als Arminia-Fan doch bloß immer sooo einfach.

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Alle lieben Franck
Ich vermisse Fatmir Vata
Es gibt Spieler, die erträgt man nur in der eigenen Mannschaft. Spielen sie für den Gegner, hasst man sie wie die Pest. Weil sie fallen, provozieren, krakeelen, Rudel bilden und mit Zweitnamen „Täuschungsversuch“ heißen. www.11freunde.de/bundesligen/104769