Bielefeld in Angst und Schrecken

Das blödeste Fax aller Zeiten

Aus dem Führungszirkel des Bundesligisten Arminia Bielefeld ist einer Sportillustrierten ein Fax delikaten Inhalts zugespielt worden. Doch wer war so frei? Ein Maulwurf? Ein Strauchdieb? Jens Kirschneck fahndet fieberhaft. imago images
Da sind eine Reihe von Meldungen, die den Fußball zuletzt in seinen Grundfesten erschüttert haben. Erstens: England ist nicht bei der EM dabei. Zweitens: Schottland ist nicht bei der EM dabei. Drittens: Finnland ist nicht bei der EM dabei. Viertens: Italien ist bei der EM dabei. Fünftens: Der Ligapokal wird abgeschafft. Aber das alles ist nichts gegenüber der schrecklichen Nachricht, die uns aus Ostwestfalen zu Ohren kommt: Bei Arminia Bielefeld gibt es einen Maulwurf.

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Was ist passiert? Irgendwann neulich übersandte Vereinspräsident Hans-Hermann Schwick ein Fax an die acht Mitglieder des Aufsichtsrates, in denen allerlei Interna verschriftlicht waren. Nichts wirklich Aufregendes, nur der übliche Kram, mit dem sich Aufsichtsratsmitglieder so herumzuschlagen haben. Der Sportdirektor will mehr Geld, der Finanzmanager will nicht weniger Geld als der Sportdirektor, und beide wollen nicht weniger als der Trainer, und sei es, weil sie, im Gegensatz zum Übungsleiter, immer brav Taxi fahren statt mit dem eigenen Auto, wenn sie angeschickert sind, und das geht ja auch alles ins Geld. Die Moneten sind aber jetzt nicht das Thema in Bielefeld. Das Thema ist das Fax, das auf ominöse Weise den Weg in die Redaktion einer wöchentlich erscheinenden Sportillustrierten gefunden hat, und von dort, huch, direkt den Weg in die Illustrierte selber. Seitdem wähnt sich die ganze Stadt wie in einem Roman mit Miss Marple, einem klassischen Rätselkrimi mit tausend Verdächtigen. Wer war der Informant, der im Schutze der Dunkelheit das geheime Papier hinterzog? Ein Aufsichtsratsmitglied, ein Vorständler gar? Oder doch nur ein gemeiner Strauchdieb, der in einem unbeaufsichtigten Moment bei einem der Adressaten das Fax entwendete, kopierte und wieder an seinen Platz legte?

Alles ist möglich, nichts undenkbar und das Gemeinwesen am Teutoburger Wald wird erfüllt von einem Klima des Misstrauens. Bürgerwehren patrouillieren, Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr auf der Straße spielen. Dreh’ dich nicht um, der Faxdieb geht um. Dabei wäre das alles leicht zu verhindern gewesen, wenn, ja wenn man auch bei Arminia schon mal etwas von modernen Kommunikationsformen gehört hätte. Auf die Frage, ob er selbst in der Angelegenheit einen Fehler gemacht hätte, sprach Präsident Schwick den bemerkenswerten Satz: „Faxe wird es immer geben, wir leben nun mal im Zeitalter der Faxe.“ Im Klub sammeln sie jetzt für Schwick, für ein altes Modem zu Weihnachten.