Best of 2018: Was ist die neue Fußballer-Droge Snus?

Vom Talent zum Ticker

Um einen tieferen Blick in die Welt der Snuser zu bekommen, treffen wir uns mit einem Händler, den wir hier Maik nennen wollen, in einer Shishabar im Münchener Bahnhofsviertel. Maik war ein hoffnungsvolles Talent, wohnte im Internat eines Bundesligisten und war zugleich bis vor kurzem einer der wichtigsten Importeure und Verteiler von Snus unter Profifußballern. In Kontakt mit dem Tabak brachte ihn ein Teamkollege in der Nachwuchsmannschaft: »Für die Skandinavier ist Snus Tradition.

In Deutschland kannte das Zeug 2012 noch niemand. Wir haben es mit mehreren Spielern ausprobiert. Du chillst halt extrem, es hat richtig geballert.« Maik beschreibt die klassische Wirkung von Snus. Die körperlichen Erfahrungen mit dem Tabakprodukt sind mit Marihuana vergleichbar. Maik wurde rasch vom Konsumenten zum Beschaffer. »Am Ende habe ich kiloweise Massenbestellungen für bis zu 50 Kontakte organisiert. Das waren Spieler aus der zweiten Liga, der dritten und den Regionalligen, aber auch professionelle Ringer und Eishockeyspieler.« 

Wie 86 Zigaretten am Tag

Wir studieren seinen Bestellverlauf der vergangenen Jahre. Umgerechnet gut 10 500 Euro zahlte Maik an einen Versandanbieter aus Schweden, der die Ware, diskret am Zoll vorbei, frei Haus lieferte. 1,80 Euro kostet eine Packung Snus im Netz. Maik versorgte seine Teamkollegen und nahm zwischen fünf und zehn Euro pro Packung. »Das hat meinen Eigenbedarf gedeckt.« Eigenbedarf klingt harmlos, bedeutet aber in diesem Fall 900 Rationen Snus pro Monat, umgerechnet etwa 2600 Zigaretten, 86 Kippen am Tag. 

»Noch morgens im Bett, beim ersten Kaffee, auf dem Weg zum Training, zum Trainingsplatz und dann wieder unter der Dusche. Ich habe es wirklich immer genommen.« Oft auch zusammen mit anderen Spielern in der Kabine. Wenn die ersten schon nach Hause fuhren, setzten sie sich zusammen, zockten auf dem Handy und snusten. Auch seine Freundin, zu dieser Zeit eine Deutsche Meisterin der Leichtathletik, griff zum Snus. Im Eishockey würden, sagt Maik, ganze Koffer mit Snus in die Kabinen getragen.

»Hast du gar nichts mehr? Gar nichts?« 

Dass Maik stets Snus im Gepäck hat, wurde in der Fußballszene schnell bekannt. Nicht nur seine Teamkollegen, sondern auch alte Freunde und völlig Fremde sprachen ihn an. Maik kennt sie mittlerweile alle und kann die Geschichten dazu erzählen. Da sind die Zweitligaprofis, die mit zitternden Händen vor seiner Tür gestanden haben und um Snus bettelten. »Die hatten nichts mehr. Die sind hunderte Kilometer zu meinem Haus gefahren.« Und da sind die dringlichen Chatnachrichten auf seinem Handy, für uns nachzulesen: »Sitz in meiner Bude. Ich bin blank …« vermeldet einer, andere fragen dringlich nach: »Hast du gar nichts mehr? Gar nichts?«  

Nun klingt das nach klassischen Drogendialogen. Im Unterschied dazu ist der Konsum von Snus jedoch nicht illegal. Mit anderen Worten, der Verkäufer macht sich strafbar, nicht aber der Käufer. Wohl auch deshalb erfreut sich Snus so großer Beliebtheit in der Kickerszene. Zumal die Bandbreite groß ist zwischen Gelegenheitsnutzern hier und schwerstabhängigen Dauersnusern dort.