Best of 2018: Was ist die neue Fußballer-Droge Snus?

Viel gesünder als eine Zigarette?

Ein kontroverses Thema, denn ob und in welchen Dosierungen Snus tatsächlich die Gesundheit der Profis gefährdet, ist umstritten. Forscher des schwedischen Karolinska-Instituts hatten 2007 keinerlei Auswirkungen auf Lungen- oder Mundhöhlenkrebs gefunden, den klassischen Erkrankungen bei Starkrauchern. Zwar hatten die Wissenschaftler etwa dreißig unterschiedliche Krebserreger im Snus nachgewiesen, in einer Zigarette sind es jedoch bis zu tausend. Weniger beruhigend war der konkrete Befund zu Pankreaskarzinomen. Laut der Studie erkranken Snuskonsumenten doppelt so häufig wie Nichtkonsumenten an Tumoren der Bauchspeicheldrüse.

Ein Befund, der bislang nicht durch weitere Testreihen erhärtet werden konnte, der jedoch schon deshalb nicht abwegig erscheint, da ja Nikotin in großen Mengen aufgenommen wird. In einer Ration Snus befinden sich zwanzig Milligramm Nikotin, knapp die dreifache Menge einer Zigarette. Abhängige Snuser nehmen oft doppelte oder sogar dreifache Einheiten zu sich. Als würde sich jemand zehn Zigaretten auf einmal anzünden. Aufgrund der stimulierenden Wirkung steht Snus zudem auf der Beobachtungsliste der Welt-Anti-Dopingagentur. Um als Doping zu gelten, müsste der Stoff dem Sportler einen klar messbaren Wettbewerbsvorteil verschaffen. Für Dopingexperte Fritz Sörgel war das gegenüber dem NDR gar keine Frage: »Es ist natürlich ein Mittel, mit dem man sich einen Vorteil verschafft gegenüber dem, der es nicht einnimmt«.

Lieber schneller abhängig, als ungesund wirken

Dass die Klubs sich beim Thema Snus so bedeckt halten, hängt natürlich auch damit zusammen, dass die konzentrierte Einnahme von Nikotin so gar nicht zum Gesundheitsfuror passen mag, der sich längst des Profifußballs bemächtigt hat. Zigaretten gelten heute für einen Profifußballer als ebenso indiskutabel wie härtere Alkoholika und abendliche Ausflüge in Diskotheken. Nun aber hochdosierte Nikotinpäckchen unter der Lippe? 

Was die Sportler an Snus schätzen, ist klar. Wie jedes Tabakprodukt sorgt er zunächst dafür, ruhiger und fokussierter zu werden. Da zudem kein Rauch inhaliert wird, erscheint der Tabak auf den ersten Blick gesünder. Allerdings macht Snus noch schneller abhängiger. Die Suchtwirkung ist immens, der Bedarf nach immer höheren Dosierungen ein gängiges Phänomen.