Best of 2017: Wie Red Bull die UEFA genarrt hat

Die »Top Five« der Peinlichkeiten

Die Klubführung in Leipzig erklärt dazu auf Anfrage von 11FREUNDE: Beide Vereine seien absolut eigenständig unterwegs. »Diese bereits vor geraumer Zeit vollzogene Trennung«, so heißt es in einem schriftlichen Statement, »bezieht sich auf sämtliche Bereiche, also auch auf die Nachwuchs- oder Scoutingabteilung und umfasst sowohl technische als auch personelle Aspekte, d.h. es gibt keine synchronisierte Scoutingplattform o.ä.«

Intern aber gab es im Bullen-Stall zuletzt eindringliche Mahnungen. Details über die Zusammenarbeit zwischen Salzburg und Leipzig sollen ja nicht nach außen dringen. Nicht jeder hält sich daran: »In Salzburg sind natürlich einige sauer, weil sich alles nur noch um Leipzig dreht«, sagt der RB-Klubinsider. »Und natürlich gibt es immer mal ein peinliches Hoppala, das offenlegt, wie es tatsächlich zugeht. Allerdings passiert so was meist den Oberen.«

Die »Top Five« der Peinlichkeiten

Hier die »Top Five« der entlarvenden Peinlichkeiten im Schnelldurchlauf:
1. Ausgerechnet Mateschitz sprach zuletzt mehrfach ungeniert in der ersten Person, als er RB Salzburg meinte. Vor einigen Tagen sagte der Ober-Bulle den »Salzburger Nachrichten«: »Das Schönste ist diese Saison die Leistung der U19 gewesen (Titelgewinn in der UEFA Youth League; d. Red.), die unsere Nachwuchsarbeit … eindrucksvoll bestätigt.« Im Januar erklärte Mateschitz derselben Zeitung in Bezug auf RB Salzburg: »Wir erlösen pro Jahr rund 40 Millionen Euro durch Spielerverkäufe, da kann ich das Vereinsbudget sogar reduzieren.« Wir. Ich.

2. Im April verließ RBL-Boss Oliver Mintzlaff Knall auf Fall sein Amt als Red Bulls »Global Head of Soccer«, in welchem er u.a. die nicht gerade UEFA-konforme Zusammenarbeit der RB-Filialen Salzburg und Leipzig koordinierte, um Synergien zu schaffen. In Leipzig betont man freilich noch immer, dass Mintzlaffs Schritt nichts mit den UEFA-Bestimmungen zur Integrität des Wettbewerbs zu tun habe.

3. Im August 2016 plauderte Salzburg-Trainer Oscar Garcia gegenüber dem ORF munter aus, dass sein Klub nur mehr Ausbildungsverein für Leipzig sei.

4. Noch am selben Abend legte Rangnick bei Sky Österreich offen, dass die Ablöse für Leipzig-Neuzugang Bernardo (von RB Salzburg) erst im Anschluss an den eigentlichen Transfer ausgehandelt wurde.

5. Ende 2016 ließ Mintzlaff eiligst sein Büro in der Geschäftsstelle von RB Salzburg räumen – freilich erst nach Erscheinen eines 11-FREUNDE-Berichts, in dem auf seine regelmäßige Präsenz beim »Schwesterklub« hingewiesen worden war.

Konkrete Aussicht auf Karriere in Leipzig

Man wundert sich: Kann sich die UEFA wirklich so gewaltig an der Nase herumführen lassen? Zumal die RB-Klubs ihre Spielchen munter weiter betreiben. So ist aus dem Umfeld des 18-jährigen Salzburger Neuzugangs Mahamadou Dembele durchaus Interessantes zu hören: Der Rohdiamant aus der Jugend von Paris SG, der vor wenigen Tagen in Österreich vorgestellt wurde, sei mit der konkreten Aussicht auf eine weitere Karriere bei RB Leipzig nach Österreich gelockt worden. Ähnliches ist aus dem Umfeld von Dayot Upamecano (18) zu vernehmen. Der Defensivspieler war 2015 von Valenciennes nach Salzburg gekommen und wechselte im vergangenen Winter von Salzburg nach Leipzig – so wie wie fast 20 (!) weitere Spieler in den vergangenen Jahren.

Dass RB Salzburg am laufenden Band Perspektiv-Spieler für RB Leipzig holt, bestreiten nicht mal Mintzlaff & Co.: Man sehe »die sportliche und persönliche Weiterentwicklung von Sportlern als eine unserer Hauptverantwortungen gegenüber den Sportlern und dem Sport«, erklärt der Verein auf unsere Anfrage. »Entsprechend wurden in der Vergangenheit mit potentiellen oder bereits unter Vertrag stehenden Spielern sportliche Entwicklungsmöglichkeiten besprochen und Szenarien (bspw. eine Leihe oder ein Transfer) erarbeitet. Bei diesen hat auch der FC Red Bull Salzburg eine Rolle gespielt.«

Bei der UEFA stellt man sich natürlich Fragen. Nun ist es an den Verbandsbossen selbst, die passenden Antworten zu finden. In Nyon weiß man genau: Nichts könnte die heiligen Cash-Kühe Champions League bzw. Europa League schneller entweihen als ein bisschen Stall-Regie in einem RB-internen Spiel.