Best of 2017: Wie Red Bull die UEFA genarrt hat

»Da wird viel gemauschelt«

Kann eine Salzburger Vereinsführung um Lürzer, Rauch und Resch »auf irgendeine Art und Weise« von einer natürlichen (Mateschitz) oder juristischen Person (Red Bull) »beeinflusst werden« – und zwar »entscheidend«, wie es im Statut heißt? Darüber muss die UEFA befinden.

Patron Mateschitz scheint die Entscheidung bereits zu kennen. »Es ist alles geregelt«, teilte der Milliardär den »Salzburger Nachrichten« fröhlich mit und eröffnete damit Raum für Spekulationen. Schließlich hatte die UEFA erklärt, eine Entscheidung in dieser brisanten Causa werde erst im Laufe des Juni verkündet. Mateschitz Adlatus Oliver Mintzlaff, Vorstandsboss bei RB Leipzig, betont dennoch bei jeder Gelegenheit, dass man keinesfalls nervös sei, weil die eigenen Hausaufgaben längst erledigt seien.

»Dreck liegt dort genug rum«

Hinter der Fassade des Red-Bull-Fußball-Imperiums herrscht weiter hektisches Treiben. Denn tatsächlich sind beide Vereine so miteinander verflochten, dass man intern den Überblick verloren hat. So berichtete der österreichische »Kurier« vom 8. Mai über »Mitarbeiter, die für beide Vereine arbeiten«. Tatsächlich gibt es diese, unter anderem Scouts sowie festangestellte Übersetzer für Spieler. Zudem pflegen beide Klubs eine quasi identische Corporate Identity. Und dann ist da noch eine Red-Bull-Datenbank, auf der sich Medien Bilder von Spielern beider Vereine herunterladen können. Um nur einige Beispiele zu nennen.

Je näher nun die UEFA-Entscheidung rückt, desto mehr summt und brummt es also in Leipzig, Salzburg und in Fuschl am See, wo der geldgebende Getränkekonzern residiert. »Vor allem bei RB Salzburg heißt es: Stühlerücken und Großreinemachen«, scherzt ein Funktionär aus der österreichischen Fußball-Bundesliga. »Dreck liegt dort genügend rum, man will die UEFA ja nicht mit der Nase hineinstoßen.«

»Da wird viel gemauschelt«

2015 hatte die Red Bull GmbH ihr Recht zur Bestellung des Salzburger Vereinsvorstandes offiziell fallen lassen. Man sei dort »nur noch Sponsor«, hieß es mit Blick auf das Regulativ. Die von Red Bull entsandten Klubvorstände Volker Viechtbauer und Walter Bachinger wurden zurückgepfiffen. Statt ihrer kamen die oben genannten Theierl, Rauch und Resch. Zur selben Zeit kündigte auch Ralf Rangnick offiziell das Ende seines Doppel-Engagements als Sportdirektor in Salzburg und Leipzig an. All diese Scharaden geschahen, so gestand der österreichische Dauermeister, »um sicherzustellen, dass sowohl der FC Red Bull Salzburg als auch RB Leipzig gleichzeitig in den Bewerben der UEFA ... spielberechtigt sind«.

Formaljuristisch nähere man sich in Salzburg langsam und eher widerwillig dem an, was die UEFA verlange, bestätigt ein RB-Klubmitarbeiter gegenüber 11FREUNDE. Er betont jedoch: »Im Arbeitsalltag bestehen die alten Verflechtungen zwischen Salzburg und Leipzig sowie zwischen Salzburg und der Red Bull GmbH weiter.« Der Insider nennt ein Beispiel: »Früher fanden regelmäßig gemeinsame Scouting-Sitzungen von RB Leipzig und RB Salzburg statt – mal in Leipzig, mal in Salzburg. Neuerdings wird die Kommunikation per Video-Conferencing oder an neutralen Orten abgewickelt. Da wird viel gemauschelt. Die Software beider Abteilungen ist noch immer aufeinander abgestimmt.«