Best of 2017: Wie Red Bull die UEFA genarrt hat

Der Meister der Mauscheleien

Rasenballsport Leipzig darf nächste Saison in der Champions League antreten. Schließlich sei laut Uefa die »Integrität des Wettbewerbs« nicht in Gefahr. Komisch. Auf uns wirkte das wenige Wochen vor der Entscheidung noch anders.

imago

Anmerkung: Der Text enstand im Rahmen einer Recherche wenige Wochen vor der UEFA-Entscheidung.

Es war nur eine Randnotiz – zumindest auf den ersten Blick. Bei Österreichs Meister RB Salzburg wurde vor einigen Wochen der Vorstandsvorsitzende Rudolf Theierl verabschiedet. Der Betriebswirt hatte den Klub seit 2015 geleitet – natürlich völlig unabhängig von »Sponsor« Red Bull und dessen Unternehmens-Patron Dietrich »Didi« Mateschitz (73), wie alle Beteiligten betonen. Laut UEFA-Statuten darf der Brausekonzern nämlich keinen nennenswerten Einfluss auf die Vereinsgeschäfte in Salzburg nehmen. Andernfalls droht dem »Schwesterklub« in Leipzig der Europacup-Ausschluss.

Vor diesem Hintergrund sah es dann doch ziemlich blöd aus, dass Theierl langjähriger Prokurist des Getränkeherstellers Red Bull sowie Geschäftsführer mehrerer Red-Bull-Tochterfirmen ist und bis 2014 im Vorstand von RB Leipzig saß. Wie Mateschitz selbst war auch der 67-Jährige einst beim Zahnpasta-Hersteller Blendax tätig. In Fußball-Fachkreisen gilt Theierl zwar als Laie – dafür eilt ihm der Ruf eines zuverlässigen Erfüllungsgehilfen des Red-Bull-Patrons voraus.

»Ohne Mateschitz gäbe es die Uni nicht«

Genau hier kommen die UEFA-Bestimmungen zur Integrität des Wettbewerbs ins Spiel. Mit diesem Regulativ will der Verband nämlich verhindern, dass im Europacup gleichzeitig zwei oder mehr Klubs antreten, die – Zitat – »auf irgendeine Art und Weise entscheidend von ein und derselben natürlichen oder juristischen Person beeinflusst werden könnten«. Dass RB Leipzig entscheidend von Red Bull beeinflusst wird, bestreitet nicht mal Mateschitz selbst. Schließlich ist die Red Bull GmbH 99-prozentiger Gesellschafter der Rasenballsportler. Bleibt also zu klären, ob Red Bull auch beim »Schwesterklub« in Salzburg die Fäden zieht. Das müsste zwingend Leipzigs Europacup-Ausschluss nach sich ziehen. Denn das UEFA-Regulativ schreibt für einen solchen Fall vor, dass der im nationalen Ligabetrieb schlechter platzierte Klub international gesperrt wird.

Ein vermeintlich unverdächtiger neuer Vorstandsvorsitzender für RB Salzburg war übrigens schnell gefunden: Harald Lürzer, ein Unternehmer aus der Ski-Region Obertauern. Gemeinsam mit seinen Brüdern betreibt Lürzer unter anderem Hotels, einen Taxiservice sowie mehrere Gastronomie-Großbetriebe – und pflegt dabei ausgiebige Business-Beziehungen zu Red Bull. Ähnliches lässt sich über die beiden weiteren RB-Salzburg-Vorstände Franz Rauch und Herbert Resch sagen. Rauch ist Seniorchef einer Fruchtsaft-Fabrik – und macht nebenbei glänzende Geschäfte als Abfüller für Red Bull. Der Dritte in der Riege, Resch, ist Mediziner und Rektor der privaten Salzburger Paracelsus Medizinischen Universität (PMU) – deren Forschung maßgeblich durch Mateschitz und Red Bull finanziert wird. Allein für die Jahre 2005 bis 2023 stellt Red Bull über 70 Millionen Euro bereit. PMU-Pressesprecher Gottfried Stienen sagte im April gegenüber den »Salzburger Nachrichten«: »Ohne Dietrich Mateschitz gäbe es diese Uni nicht.«