Best of 14: Die Weltmeister in der Einzelkritik

Özil, Klose, Schürrle, Mertesacker, Götze

Mesut Özil
Wenn wir uns mal ganz einsam fühlen, und uns nach Geborgenheit und Zärtlichkeit sehnen, möchten wir bitte von Mesut Özils Sohle gestreichelt werden. Denn wie auch immer man die Gesamtleistung des deutschen Spielmachers bei dieser WM einstufen mag – der Kerl kann fast besser kicken als 1990 Hässler und Litti zusammen. Gegen Argentinien zeigte er das auch, häufiger als in allen anderen Spielen zusammen. Dann musste Christoph Kramer raus, Löw stellte um und Özil verlor seinen Freiraum. Weshalb er nicht mehr so viel streicheln durfte, sondern ackern wie ein Knecht. Vielleicht ist das eine der entscheidenden Geschichten bei diesem Turnier, ein prägender Fakt, der diesen Weltmeistertitel mit zu verantworten hat: Dass Mesut Özil, der Mann, der mehr Gefühl in seinen Zehenspitzen hat als Eros Ramazzotti in seiner Stimme, dass sich dieser Kerl in Brasilien zum Wohle der Mannschaft und zum Unwohle seiner eigenen Darbietung, den Arsch aufgerissen hat.

Miroslav Klose
Vergesst Romeo & Julia. Vergesst Susi und Strolch. Vergesst Vom Winde verweht. Vergesst auch Notting Hill, Jenseits von Afrika und Casablanca. Die schönste Liebesgeschichte aller Zeiten ist die Karriere von Miroslav Klose.

André Schürrle
Was André Schürrle noch bräuchte, um endgültig in die Rolle des Forrest Gump zu schlüpfen:
- eine Pralinenschachtel
- einen Sprung in der Schüssel
- einen schwarzen Freund mit Liebe für Krabben
Forrest Gump wurde Kriegsheld, war Tischtennismeister, erfand Apple und den Smiley. André Schürrle bereitete das finale Tor in der Verlängerung des WM-Endspiels vor. Einigen wir uns auf ein historisches Unentschieden.

Per Mertesacker
Ist jetzt Weltmeister. Ist denn das zu fassen?

Mario Götze
Folgender Dialog gestern in der 88. Minute des WM-Endspiels im Wohnzimmer des Autors dieser Zeilen.
Autor: »Boah. Er bringt Götze.«
Kumpel: »Wie geil.«
Autor: »Wieso geil?«
Kumpel: »Der macht gleich eine Traumhütte und entscheidet das verdammte Finale!«
Autor: »Keule. Wir sind hier nicht bei ›Wünsch Dir was‹. Und sowieso: Das Leben ist kein Ponyhof.«

Fazit: Das Leben ist ein Ponyhof.