Best of 14: Die Weltmeister in der Einzelkritik

Schweini, Kroos, Müller

Bastian Schweinsteiger
Wir sahen »Rocky I« und dachten: So auf die Fresse bekommen und immer wieder aufstehen, das geht eben doch nur in Hollywood. Wir sahen den Kojoten, wie er, vom Roadrunner verarscht, von Felsen erschlagen und von Bomben weggesprengt wurde. Und dachten: So was geht eben nur beim Comic. Dann sahen wir das WM-Finale. Sahen Bastian Schweinsteiger insgesamt 15 Kilometer laufen, unzählige Zweikämpfe führen, Pässe spielen, Räume zustellen, Angriffe einleiten, Gegenstöße abfangen. Sahen, wie die Argentinier den wichtigsten Mann im deutschen Spiel unbedingt mürbe klopfen wollten wie ein wütender Metzger sein Schnitzel. Sahen in der Superzeitlupe, wie sich Stollen und Kniescheiben der gegnerischen Spieler auf Schweinsteigers Körper austoben durften, wie selbst ein Schlag mit der Hand in sein Gesicht nicht geahndet wurde. Wie Schweinsteiger blutete und von Krämpfen geschüttelt wurde. Vom Platz getragen, aber auf den Platz zurück wieder von seinen Beinen bewegt wurde. Rocky I wäre längst K.o. gegangen, deshalb stand auch Rocky II mit Kevin Großkreutz in der Hauptrolle zur Einwechslung bereit. Der Kojote hätte endlich aufgegeben. Aber Schweinsteiger spielte durch. Und wenn die Unterhaltungsindustrie einmal was Gutes tun möchte, dann sollte sie jetzt gefälligst darüber nachdenken, Bastian Schweinsteiger als Wrestler zu engagieren, seine 120 Minuten von Rio von Vin Diesel nachspielen zu lassen, eine Schlagring-Kollektion »Schweinsteiger« rauszubringen, Actionfiguren produzieren zu lassen, irgendwas. Der Typ hat es schließlich verdient.

Toni Kroos
Bis zum gestrigen Abend wurden Menschen, die kurzzeitig weggetreten oder ohnmächtig geworden sind, mit Riechsalz zurück ins Leben geholt. Seit gestern kann die Riechsalz-Inudstrie einpacken, Ärzte und Sanitäter aus aller Welt werden ihre Patienten mit einer Szene aus dem WM-Finale, gebannt auf ihre medizinischen Smartphones, aus der Dämmerung holen: Wie Toni Kroos kurzzeitig den Verstand verliert und den Ball zu Manuel Neuer köpfen möchte, obwohl zwischen ihm und Neuer Gonzalo Higuain steht, einer der besten Stürmer der vergangenen Jahre. Wie viele Herzrythmusstörungen es wohl in diesem Moment in Deutschland gegeben haben mag? Wie viele verkrampfte Fäuste, wie viele entgleiste Gesichtszüge, wie viele spitze Schreie? Und dann blieb die Zeit kurz stehen, die Matrix hatte nicht gewollt, dass Argentinien gewinnt, also wurde mit einer weiteren 0 im System der Ball um vier Zentimeter nach links geschoben, Higuain verschoss. Anderes denkbares Szenerio bei so viel Schwein: Das Gesicht von Toni Kroos löst als Glücksbringer der Zukunft sämtliche Schornsteinfeger ab, Disney entscheidet sich für einen Facelift, lässt Gustav Gans sterben und setzt Toni Kroos als ewigen Gegenpart zu Donald Duck ein. Wie auch immer: Wir bräuchten dann jetzt noch mal etwas Riechsalz…

Thomas Müller
11FREUNDE meint: Füllt diesen Mann in Dosen ab und lasst uns fliegen gehen. Kauft euch ruhig einen Fußballklub und benennt ihn nach Thomas Müller, wir würden zu wohlwollenden Haus- und Hofberichterstattern werden. Mixt den Typen mit Wodka oder Korn und sauft euch im Club oder auf dem Schützenfest die Hucke voll, wir würden euch die nächste Runde bezahlen und anschließend eine Rose schießen gehen. Lasst durchgeknallte Österreicher aus dem All zur Erde hüpfen, nur um Werbung für den Thomas-Müller-Drink zu machen, wir stünden unten und würden vorfreudig warten. Wenn uns jemand fragen würde, wie aus uns Systemkritikern so handzahme Weichspüler werden konnten, würden wir die DVD mit den besten Szenen von Thomas Müller bei dieser WM rauskramen und die Leute würden verstehen. Dann würden wir halbnackt um den Weltpokal tanzen und mit unserem neuen Freund D. Mateschitz einen eigenen Einschlag einstudieren. Alles wegen Müller.