Best of 11 interessante Beobachtungen

Mit mehr Erfolg zum Erfolg

34 Spieltage haben wir auf dem Hochsitz verbracht und alles, was auf der Bundesliga-Lichtung kreucht und fleucht, mit dem Feldstecher beobachtet. Hier nun unser spannendes Protokoll voll von Hirschen, Häschen und Erfolgstrainern. Best of 11 interessante Beobachtungenimago images
1.
Seitdem wir ihn kennen, präsentiert uns Schalkes Kevin Kuranyi immer wieder diesen einen solitären Spielzug: Er bekommt den Ball als weithin einzige Spitze und verlängert ihn nach vorn, wo naturgemäß nur noch gegnerische Verteidiger stehen. Unangefochten von der jahrelangen Erfolglosigkeit dieser Idee, lässt Kuranyi nicht von ihr ab – so dass man sich fragen muss, wie er sich wohl ihre Vollendung vorstellen mag. Wer weiß: Vielleicht spielen plötzlich landende Ufos in seinen Überlegungen eine Rolle.

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2.
Bio-Gemüse und Selbstversorgung werden immer beliebter. Und doch war es eine dumme Idee der HSV-Verantwortlichen, im Stadion Kartoffeln anzubauen. Die kann doch jetzt niemand mehr essen!

3.
Zur Not würde man die zu Matsch zertretenen Erdäpfel aber doch vertilgen. Immer noch besser als die Alternative, die uns Premiere-Mann Marc Hindelang aus Hamburg anbot: »Nach 30 Minuten gibt es hier schwaches Fleisch.«

4.
Immer wieder erstaunlich, wie schnell die Profis nach leichten Wischern durchs Gesicht zu Boden stürzen und sich dort schmerzerfüllt wälzen. Höchste Zeit für ein Experiment, dachten wir, und traktierten 11FREUNDE-Mann Benni Apitius mit verschieden harten Schlägen gegen den Kopf. Als sich schon mehrere Kollegen die Hände verstaucht hatten, saß Apitius immer noch da und aß seelenruhig Topfkuchen. Erst da fiel uns wieder ein: Der offenbar Schmerzresistente hatte schon vor einigen Monaten bei einem Feierabendkick ein wunderbares Tor mit dem Skrotum erzielt und sich so den Kampfnamen »Eisensack« verdient. Sein Leben soll nun mit Ralf Möller in der Hauptrolle verfilmt werden.

5.
In der Halbzeitpause erreichte uns eine SMS von der Alm. Ein verzweifelter Arminia-Fan hatte geschrieben: »Irgendetwas stimmt hier nicht.« Trotz mehrfacher Nachfrage präzisierte er seinen diffusen Verdacht nicht. Doch genauso ist ja der Abstiegskampf: Höhere Gewalt, Verschwörung, Spione, Gespenster, die da oben, Schiebung, Monster, Manipulation, Entführung durch Außerirdische, Verarsche, kalter Krieg und irgendetwas, das hier nicht stimmt.

6.
Angesichts der großtantigen Beflissenheit, mit der ARD-Kommentator Steffen Simon die Metaphern, Analogien und Sinnsprüche für seine Spielberichte auswählt, ist es recht gut vorstellbar, dass er in seiner Freizeit Weisheiten in gerahmte Stoffstücke stickt und seine Kollegen zwingt, sie sich über den Schreibtisch zu hängen. So etwa: »Ohne Arbeit früh und spät / Wird Dir nichts geraten / Der Neid sieht nur das Blumenbeet / Aber nicht den Spaten.« 



7.

»Premiere«-Experte Olaf Thon suchte eine Erklärung, warum Schalkes Kevin Kuranyi eine hochprozentige Chance in erbärmlicher Manier versiebt hatte, fand sie und gewährte uns damit Einsicht in die mentale Tagesbilanz eines Bundesligaprofis: »Da macht er sich den zweiten Gedanken.«

8. .
Nürnbergs neuer Trainer Thomas von Heesen verlangte vor dem Spiel gegen den SV Werder Bremen »mehr Leidenschaft« von seinen Jungs. Über Umwege ist uns nun sein kompletter Forderungskatalog zugespielt worden. Darin steht außerdem: »Mehr Grätschen«, »Mehr gewonnene Zweikämpfe«, »Mehr Tore«, »Weniger Gegentore«, »Mehr Siege«, »Weniger Niederlagen« und schließlich zusammenfassend: »Mehr Erfolg«.

9.
Wenn Dortmunds Florian Kringe dribbelt, erinnert er an einen Mann, der beim sonntäglichen Grillen versehentlich einen Flächenbrand in seinem Vorgarten gelegt hat und nun versucht, mit schon halb geschmolzenen Sandalen an den Füßen die Flammen daran zu hindern, auf die Hundehütte überzugreifen.

10.
Beim Spiel zwischen Hertha BSC und Arminia Bielefeld glich die Stimmung im Berliner Olympiastadion über weite Strecken der im Römischen Kolosseum – wenn dort nicht Gladiatoren, sondern blinde Hamster gegeneinander angetreten wären.

11.
Alle Premiere-Kommentatoren müssen den gleichen Intonationsworkshop besucht haben– außer Tom Bayer. Er hat bei einem Ertrinkenden hospitiert.