Bert Trautmann von ManCity enttäuscht

»Bürokraten am Werk«

Über 500 Spiele machte Bert Trautmann für Manchester City – zum UEFA-Cup-Spiel gegen den HSV schickte man ihm dennoch keine Einladung. Betrübt verfolgt die Legende die Aushöhlung seines Klubs. Wir trafen ihn. Bert Trautmann von ManCity enttäuschtImago Auf die Reise nach Manchester hat Bert Trautmann verzichtet. Die deutsche Torwart-Legende ist enttäuscht von seinem Verein ManCity. Das Rückspiel im UEFA-Cup-Viertelfinale zwischen den Briten und dem Hamburger SV am Donnerstag wollte er sich nicht ansehen. Obwohl er eine Einladung hatte – HSV-Teammanager Bernd Wehmeyer hatte bei dem 85-Jährigen angerufen. Der Gegner also. »Von meinem Verein habe ich noch nie eine Einladung bekommen«, sagt Trautmann, »das tut schon ein bisschen weh.«

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Der gebürtige Bremer hat zwischen 1949 und 1964 insgesamt 545 Spiele für die Citizens bestritten. Mitte der 50er Jahre galt Trautmann als einer der besten Torhüter der Welt, der zusätzliche Berühmtheit erlangte, weil er im Cup-Finale 1956 eine Viertelstunde mit einem später diagnostizierten Genickbruch spielte. In diesem Jahr wurde er als erster Ausländer zu Englands Fußballer des Jahres gewählt. 2007 kürte ihn der Verein zum besten City-Spieler aller Zeiten.

»Nur noch als Poster an der Wand«

Auch heute noch ist er ein Idol für viele Fans der Blauen. Wenn er aber in der »Legends Lounge« im neuen Stadion essen möchte, dann wird auch Bert Trautmann wie jeder andere mit 250 Euro zur Kasse gebeten. Die Zeiten, als die alten City-Größen wie er oder die ehemaligen Nationalspieler Colin Bell und Francis Lee dort für 50 Euro speisen durften, sind vorbei. »Der Verein hat sehr große Spieler gehabt, die hängen in der Legends Lounge nur noch als Poster an der Wand«, sagt Trautmann, »persönlich sehen kann man sie dort nicht mehr.«

Die herrschenden Zustände gefallen Trautmann nicht. Dabei ist er keinesfalls ein verbitterter Opa aus der Vergangenheit, sondern trotz seines Alters ein wacher Beobachter der Fußballszene. Aus seinem Wohnsitz in der Nähe von Valencia zieht es ihn regelmäßig auf die Insel. Auch weil dort drei Kinder, acht Enkel und drei Urenkel leben. »In England sind jetzt Technokraten und Bürokraten am Werk, denen das Gefühl für den Sport fehlt«, bemerkt er, »und die Mannschaft bestand zuletzt nur aus leblosen Individualisten, es ist schon enttäuschend.«

Bei City hat die Herrscherfamilie des Emirates Abu Dhabi im Sommer die Macht vom ehemaligen thailändischen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra übernommen. Ausländische Investoren, die Kohle in den Klub pumpen und mit Gewalt ein Topteam aufbauen wollen, aber laut Trautmann keinerlei Gespür für die Traditionen des Fußballs und der Vereine haben. »Vor drei Monaten hat man mich gefragt, ob ich als Botschafter für den Klub eingesetzt werden kann«, erzählt er, »was denken die denn, was ich in den letzten 60 Jahren getan habe?« Im Juni 2004 gründete er zudem einen gemeinnützigen Förderverein, der das Stiftungskapital für die Trautmann-Foundation sammelt. Ziel der Stiftung ist es, mittels Fußball die deutsch-britische Verständigung zu fördern. Schon 1997 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, seit 2004 trägt er den »Order Of The British Empire«.

»Mir geht es ganz gut für mein Alter und ich bin dankbar für das, was ich habe«, sagt Bert Trautmann, »allerdings habe ich vor drei Jahren mit dem Rauchen aufgehört - seitdem habe ich leichte Atembeschwerden.«