Bernd Schneider auf Torejagd

Der einzige Lichtblick

Ein echter Knipser wird er wohl nicht mehr. Trotzdem soll an dieser Stelle mit einem Vorurteil aufgeräumt werden: Denn Bernd Schneider ist ein verhältnismäßig torgefährlicher Mittelfeldspieler. Imago Warum hält sich das Vorurteil, wonach Bernd Schneider ein absoluter Chancentod und notorischer Torverweigerer sei, so hartnäckig. Immerhin – in 256 Bundesligaspielen für Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen erzielte Schneider 33 Treffer, in der vorvorletzten Saison netzte er es sogar zehnmal ein. Das ist für einen Mittelfeldspieler beileibe keine schlechte Ausbeute. Und überhaupt: Viel wichtiger als der egoistische Abschluss, was ihn auch in der Nationalmannschaft so unentbehrlich macht, ist Schneiders Begabung, den entscheidenden Pass zu spielen. Sollen doch die anderen den Ball über die Linie drücken – Schneider gilt nicht als eitel und muss nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Es läuft auch so alles bestens, der Leverkusener spielt erneut eine große Saison.

„Die Liebe zum Tore schießen“

Dabei hatte er die kürzeste Vorbereitungsphase. Während die meisten seiner Kollegen die WM irgendwo im Urlaub und vom Fernseher aus verfolgten, absolvierte Schneider alle Spiele für Deutschland. Erst danach durfte er entspannen. Doch von Trainingsrückstand keine Spur. Schneider ist zurzeit wieder der einzige Lichtblick in einer Leverkusener Mannschaft, die zwar die Gruppenphase im UEFA-Cup erreicht hat. In der Liga schaffte die Werkstruppe jedoch nicht mal vor heimischer Kulisse den bisherigen Punktelieferanten aus Hamburg vor zu besiegen. Deshalb ist folgendes Szenario erstens bitter nötig und zweitens gar nicht so abwegig: Bernd Schneider trifft im DFB-Pokal gegen Duisburg (heute um 19.30) und ebnet seinem Verein den Weg ins Achtelfinale. Das klappte doch schon eine Runde zuvor gegen Zweitligist TuS Koblenz genauso wie im europäischen Wettbewerb gegen den FC Sion. Dann legte Schneider noch einen wichtigen Treffer in Brügge nach, was eigentlich genügen sollte, um endgültig mit dem Vorurteil aufzuräumen.

„Bernd spielt seit Wochen auf hohem Niveau und ist kaum zu ersetzen. Inzwischen hat er auch die Liebe zum Tore schießen entdeckt“, sagte Trainer Michael Skibbe und trat sogleich den Gegenbeweis an. Es wird wohl dabei bleiben. Der TV-Kommentator wird sich vor abgelutschten Phrasen schier überschlagen und Zahlenspiele bemühen, wenn Schneider ein Tor erzielt. Und wenn er daneben haut, dann heißt es wieder – typisch „Schnix“. Es gibt nur einen Weg, den Ballast des Vorurteils abzulegen. „Ich möchte endlich einen Titel holen“, sagte Schneider. Es sei ihm gegönnt, dabei das entscheidende Tor zu schießen. Aber welcher Titel soll es denn bitte sein?

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