Bernd Krauss wird 50

„Zu jung, um nichts zu tun“

Bernd Krauss war vor zwölf Jahren der letzte Trainer, der mit Borussia Mönchengladbach einen Titel geholt hat. Der Abstieg des Traditionsvereins droht ihm nun den 50. Geburtstag zu verhageln. Trotzdem: Glückwunsch! Imago Bernd Krauss gehört zu den vielen Alt-Borussen, denen der zweite Abstieg des Traditionsvereins sehr nahe geht. "Natürlich tut das weh. Ich wohne ja noch in Mönchengladbach, nicht weit weg vom Stadion und versuche, mir die Heimspiele anzusehen", sagt Krauss, der am Samstag noch die vorerst letzte Bundesliga-Auflage des Klassikers gegen Bayern München anschaute. In den nächsten Tagen findet der frühere Gladbacher Spieler und Trainer aber ein bisschen Abstand, denn anlässlich seines 50. Geburtstages fährt er mit seiner Frau Andrea ein paar Tage in den Urlaub.

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"Wir haben in diesem Jahr gemeinsam die 100 vollgemacht, bei ihrem Geburtstag waren wir in Dubai", berichtet Krauss, der auch als Trainer schon weit gereist ist. Nach seiner erfolgreichen Zeit in Gladbach, wo er 1995 den DFB-Pokal gewann und mit der Borussia bis in Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger kam, arbeitete er in Spanien, Griechenland und Österreich sowie im Iran und in den Vereinigsten Arabischen Emiraten. Seit seiner Entlassung Anfang Dezember 2006 bei CD Teneriffa ist Krauss aber ohne Job. Deshalb wäre ein neues Engagement ein perfektes Geburtstagsgeschenk. "Das wäre nicht schlecht. Ich bin noch zu jung, um nichts zu tun. Mit fehlt die tägliche Arbeit auf dem Platz", sagt Krauss, der in der Saison 1976/77 bei Borussia Dortmund nur auf einen Einsatz kam und danach nach Österreich ging. Dort nahm er die Staatsbürgerschaft an und wurde sogar zum Nationalspieler, bevor er 1983 nach Gladbach kam und es noch auf 167 weitere Bundesliga-Spiele brachte.

"Man hat bei zu vielen Transfers danebengelegen"

Bei der Borussia startete er im November 1992 als Nachfolger von Jürgen Gelsdorf auch seine Karriere als Chef-Trainer. Kein Wunder, dass er zu diesem Klub noch eine besondere Beziehung hat - nicht nur wegen des Pokalsieges. "So einen Tag vergisst man natürlich nicht. Aber wir haben ja nicht nur diesen Titel geholt, sondern auch richtig guten Fußball gespielt", erinnert sich Krauss: "Aber die Mannschaft konnte damals auch wachsen und wurde punktuell verstärkt. Genau das war in den letzten Jahren hier nicht der Fall." Krauss bemängelt wie viele andere die fehlende Kontinuität bei der Borussia: "Wenn man jahrelang immer nur Spieler kauft und dann im Winter nachkaufen muss, kann das nicht funktionieren. Man hat bei zu vielen Transfers danebengelegen." Die Spieler, denen die Fans eine Söldner-Mentalität vorwerfen, könnten ja selbst gar nichts dafür: "Wenn man zwei, drei Jahre in einem Verein ist, dann entsteht eine ganz andere Identifikation."

Eigene Erfahrungen mit fehlender Kontinuität hat Krauss vor allem Ende 2005 gemacht, als er in den Emiraten bei Bani Yas arbeitete. "Da sind alle verrückt. Es gibt eine Zwölfer-Liga und im Dezember sind schon elf Trainer entlassen worden", beschreibt er die Zustände im Wüsten-Paradies. Auch was in Griechenland, wo er bei Iraklis Saloniki arbeitete, teilweise ablaufe, sei abenteuerlich - "vor allem im Hinblick auf die Zahlungsmoral". Unglücklich verlief auch seine Zeit als Cheftrainer bei Borussia Dortmund im Jahr 2000. Nach gut zwei Monaten musste Krauss wieder gehen. Dagegen denkt er gern an seine Zeit 2005 im Iran bei Pegah Gilan zurück. "Das war eine tolle Zeit, auf die ich gerne zurückblicke. Ich habe heute noch Kontakte dahin", sagt Krauss: "Leider ist die politische Lage dort sehr schwierig."

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„Sagenhaftes Pech“ – Bernd Krauss über seine Dortmunder Leidenszeit www.11freunde.de/interviews/100746 .