Bernd Fucker ist der älteste aktive Torhüter in Deutschland

Weiter, immer weiter

Gestern feierten wir in ganz Deutschland den Tag der Amateure. Weil Fußball in der Kreisliga mindestens genauso schön ist wie in der Bundesliga. Was vor allem an Menschen wie Bernd Fucker liegt. Dem mit 71 Jahren ältesten Kreisligakeeper Deutschlands. 

Neven Allgeier
Heft: #
190

Es gibt genau einen Menschen, der Bernd Fucker für einen jungen Kerl hält: Bernd Fucker. Alle anderen finden zwar, dass sich der Mann erstaunlich gut gehalten habe und nun wirklich nicht aussehe wie 71, für einen Torhüter in der Kreisliga sei er aber, nun ja, uralt. Bernd Fucker allerdings sagt von sich selbst: »Am 26. August hatte ich Geburtstag. Da wurde ich zehn.« Was wiederum wunderlicher klingt, als es eigentlich ist.

Im August 2007 isst Fucker an einem Freitagabend zu Abend, es gibt Tortellini. Bernd Fucker mag das. Eigentlich. Doch plötzlich bekommt er Bauchschmerzen. Bauchschmerzen, wie er sie vorher noch nie hatte. Er überlegt, in die Notaufnahme zu fahren, beißt aber auf die Zähne. Bis Montag, da geht er zu seinem Hausarzt, der ihm Kohletabletten gibt. Fucker kotzt sie aus. Danach reicht es ihm, am Dienstag fährt er ins Krankenhaus nach Hanau. Dort wird er geröntgt, in den CT geschoben, per Ultraschall durchleuchtet, das volle Programm.

Zwei Wochen im Koma

Am Abend schließlich die Diagnose: Darmverschluss. Ein Geschwulst, groß und fest wie ein Handball, mitten in seinem Bauch. »Für mich war die Sache klar: Das überlebe ich nicht.« Doch die Ärzte glauben an Fucker. In der Nacht wird er notoperiert, später kommt es zu Komplikationen, die Bauchdecke wird im OP von Neuem aufgerissen. Danach bekommt er Bluttransfusionen, 19 Stück insgesamt. Aber von all diesen Dingen weiß Fucker nur aus Erzählungen. Denn aus der Narkose wacht er nicht auf – zwei Wochen lang. Er liegt im Koma, bis zum 26. August 2007. Weswegen das Datum für ihn sein zweiter Geburtstag ist. »Ich glaube, dass das Blut von einem jungen Kerl kam. Nach der Operation hatte ich mehr Energie als davor. Ich fühle mich jetzt viel besser als mit 60.« Was ein ulkiger Satz ist, wenn man ihn aus dem Zusammenhang reißt und daran denkt, dass der Mann in der Kreisliga B im Tor steht.

Fangsicherheit, gute Reflexe und die Spielübersicht, ja, so könne man seine Stärken beschreiben, sagt Fucker. Es ist Juli, knapp vier Wochen vor seinem »zehnten Geburtstag«, und Fucker – Westernbart, goldenes Armband, braun gebrannt – sitzt auf der Terrasse seines Reihenhauses in Oberrodenbach. Nur einen Steinwurf entfernt liegt der Sportplatz des FCE Oberrodenbach, also der Sportplatz, auf dem er sich seit diesem Sommer wieder in den Dreck schmeißt. Und auf dem er nur über Umwege landete. 

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!