Bern-Fans protestieren auf ganz eigene Art

Scheiß eSport

Beim Spiel der Young Boys Bern gegen den FC Basel protestierten die Fans beider Mannschaften unter dem Motto »eSport den Stecker ziehen«. Dabei ging der Protest über das übliche Ausrollen von Spruchbändern hinaus.

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Es wurden schon merkwürdige Dinge auf Fußballplätze geworfen. Schweineköpfe, Golfbälle oder Bananen für Oliver Kahn. Die Fans von Inter Mailand versuchten sogar, eine Vespa auf den Rasen des San Siro zu befördern. Allerdings ohne Erfolg. Aber Playstation-Controller? Das ist neu.

Fans des Schweizer Klubs Young Boys Bern sorgten am vergangenen Sonntag für eine Spielunterbrechung, weil sie Tennisbälle und Playstation-Controller auf das Feld warfen. Dabei protestieren sie gegen die Bestrebung des Schweizer Fußballverbandes eine eSport-Liga einzuführen, an der alle Erstligavereine teilnehmen müssen. Die Verantwortlichen des FC Basel und der Young Boys Bern haben schon zukünftige eSport-Projekte angekündigt. Auch angekündigt war der Protest der Fans der Young Boys. Zumindest bei den Fans vom FC Basel. Diese unterstützten den Protest der Berner mit einem Plakat auf dem, in Anlehnung an das Pausenmenü von FIFA18, stand: »Pause angemeldet von Ostkurve Bern«.

Denkt denn niemand an die Kinder?!

Die Fans der Young Boys gingen auf der anderen Seite des Stadions weniger subtil an die Sache heran. »Scheiß eSport« stand auf deren Banner. Zudem flogen mehrere mit Beschimpfungen beschriftete Controller und Tennisbälle auf das Spielfeld. Die Fans der beiden Vereine sind sich einig: eSport sei kein Sport und solle demnach auch nichts mit Vereinsfußball zu tun haben. Sie fürchten sich davor, dass sich ihre Vereine für den eSport in Unkosten stürzen könnten und das Kinder bald gar kein Fußball mehr spielen.

Es war nicht der erste Protest in der schweizer Liga gegen eSport. Schon letzte Saison gab es immer wieder Banner mit der Aufschrift »eSport den Stecker ziehen«. Am dritten März musste ein Spiel des FC Basel gegen den FC Zürich abgesagt werden, weil vor dem Spiel der Strom ausfiel. Reichlich Material für Verschwörungstheoretiker, die behaupten, Gegner des eSports seien für den Stromausfall verantwortlich. Wir fragen uns allerdings, wie man das Werfen von Controllern noch überbieten kann. Vielleicht mit einer Runde FIFA auf einer gehackten Videoleinwand während des Spiels. Oder Schweizer Edelfans werfen demnächst einfach mit ganzen Konsolen.

Übrigens: Das Spiel zwischen den Young Boys und dem FC Basel endete auch sportlich in einem Desaster. 7:1 für Bern. Und die Berner führen die Liga bereits nach sieben Spieltagen mit zehn Punkten Vorsprung an.