Berliner Amateurvereine und der gefährliche Traum vom Profifußball

»Geld ist immer knapp«

Als BFV-Präsident will Bernd Schultz die Geschehnisse bei TeBe nicht kommentieren. Er nehme die Entwicklung aber mit Bedauern zur Kenntnis. »Da geht ein Stück Fankultur verloren, die wir im Berliner Amateurfußball auch nicht an jeder Ecke haben.«

Mehmet Ali Han trägt einen Schal um den Hals, und wenn er nicht gerade eine Zigarette in den Fingern hält, vergräbt er seine Hände in den Manteltaschen. Es ist ein grauer Februartag und arg frisch auf der verglasten Veranda, trotz Heizstrahlern. Han hat ein bisschen was zu essen bestellt, Rührei, Tomaten, Gurken, Oliven, zwei Schälchen mit Käse. Eine Kellnerin kommt auf die Veranda. »Guten Morgen, Chef«, sagt sie.

Der Chef, das ist Mehmet Ali Han, 53 Jahre alt, geboren in der Türkei, seit fast 40 Jahren in Deutschland. 2013 ist er mit seiner Rohrleitungsbau-Firma auf ein Gelände direkt am Teltowkanal gezogen. Rundherum andere Firmen und der Tempelhofer Parkfriedhof, auf dem schon seit 20 Jahren niemand mehr beerdigt wird. Wenn sie bei Han mittags etwas essen wollten, mussten sie irgendwo etwas bestellen. Eine kleine Kantine wäre doch schön, hat der Chef gedacht. Am Ende ist daraus ein richtiges Restaurant geworden, mit verglaster Veranda für Raucher wie ihn. »Halbe Sachen mach ich nicht«, sagt Han.

»Geld ist immer knapp«

So ist das auch beim Berliner Athletikklub 07 gewesen, den Han 2001 übernommen hat. Da war der BAK Letzter in der Oberliga und stand kurz vor der Insolvenz. Im Moment ist der Klub hinter Hertha BSC und dem 1. FC Union die dritte Kraft im Berliner Fußball, Tabellenzweiter in der Regionalliga Nordost, wenn auch ohne realistische Chance auf den Aufstieg. Ob Han Präsident ist, wie im Moment, oder auch nicht, wie vor einem Jahr, das spielt eigentlich keine Rolle. Ohne ihn läuft beim BAK nichts. »Vor jemandem wie Mehmet Ali Han habe ich absolute Hochachtung«, sagt Bernd Schultz, der Präsident des Berliner Fußball-Verbands. »Er führt und prägt den Verein über Jahre mit seinen Ideen und seinen Möglichkeiten, ohne groß Tamtam zu machen.«


Ali Han ist seit 2001 der starke Mann beim BAK.                      Bild: imago

Die Frage ist, wie lange er das noch tun wird. Schon vor zwei Jahren hat Han von Müdigkeit und Resignation gesprochen, weil es mit dem BAK nicht richtig vorangeht, weil nur selten mal mehr als 500 Zuschauer ins Poststadion kommen, meistens sogar deutlich weniger. »Das ist ein riesengroßes Problem«, sagt Han. »Wir kämpfen seit Jahren, investieren viel und kriegen nichts zurück. Irgendwas müssen wir falsch machen.« Nachdem eine prominent bestückte und hoch bezahlte Mannschaft den Aufstieg in die Dritte Liga 2016 um ein einziges Tor verpasst hatte, hat Han seine finanziellen Zuwendungen deutlich reduziert. »Geld ist immer knapp«, sagt er. Aber in dieser Saison fällt der Etat sogar »sehr knapp« aus, ist »gerade so ausreichend«.

»Im Fußball kann alles platzen, von heute auf morgen«

Seit Wochen geistert das Gerücht durch den Berliner Fußball, dass Han den Verein an einen Investor abtreten wird. Die Gerüchte klingen schon sehr konkret, inklusive möglicher Geldzahlungen und personeller Veränderungen. Von Russen und Schweizern ist die Rede, die hinter der Investorengruppe stehen, von einem Klinikbetreiber - und dass auch Souleymane Sané, der Vater des Nationalspielers Leroy Sané, involviert sei. »Ich habe einmal mit ihm gesprochen«, sagt Han. »Ich glaube nicht, dass er dabei ist.«

Ende Dezember hat der BAK für den 8. Januar zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen, bei der die Pläne des Investors vorgestellt werden sollten. Am 7. Januar wurde die Versammlung abgesagt - ohne weitere Erklärung. Die Meldung ist bis heute die erste, die auf der Homepage des Vereins erscheint. »Wir hatten gehofft, wir könnten das in 30 Tagen abwickeln«, sagt Han. Doch das stellte sich als illusorisch heraus. »Wir reden noch. Aber im Fußball kann alles noch platzen, von heute auf morgen.« Han will nicht, dass es dem BAK ergeht, wie es Viktoria ergangen ist; dass ein Investor große Versprechungen macht, die sich nicht halten lassen, und der Klub am Endedie Trümmer der schönen Träumereien beseitigen muss.

Han, der spricht, wie andere Menschen brüllen, erzählt gern von seinem Engagement beim BAK, von den schwierigen sozialen Verhältnissen in Moabit, von Integration und Multikulti, von Kindern und Jugendlichen, die er von der Straße hole und die in einem der insgesamt 26 Nachwuchsteams des Klubs spielen. Wenn es aber um den möglichen Investor geht, wird er erstaunlich einsilbig. Die Gespräche waren noch nicht ? »Nein!« Und es gibt noch keinen? »Nein!«