Bericht

Na, was jetzt?

Seit Wochen schon müssen die Spieler von Werder Bremen die Trikots tauschen – mal treten sie mit einem Schriftzug in voller Länge und mal mit einer gekürzten Fassung auf. Und da es viele Gerichte gibt, die da ein Wörtchen mitreden können, ist kein Ende des Wechselspiels in Sicht. Trikotverbote sind aber auch in England ein Gesprächsthema. Imago Womöglich haben einige zu hoch gepokert und sind dem verheißungsvollen Slogan ihres neuen Sponsors allzu blauäugig gefolgt. Bis ins Verderben? Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bremen hat am Mittwoch dem privaten Sportwettenanbieter bwin untersagt, weiterhin Werbung auf der Brust von Werder zu lancieren. Das OVG kippte somit das Urteil des zuvor schon in selbiger Mission tätigen Verwaltungsgerichts der Hansestadt, das dem Klub Ende Juli zunächst gestattet hatte, mit einem verkürzten Schriftzug aufzulaufen. Das Stadtamt Bremen, der Wortführer der Klage, war daraufhin vor die nächste Instanz gezogen. „Wir bedauern dieses Urteil und hoffen nun auf ein Verfahren, von dem wir erwarten, das es im Rahmen der EU-Rechtssprechung zu einer anderen Entscheidung kommt“, sagte Werder-Vorstand und Marketing-Geschäftsführer Manfred Müller.

Ersatzlösung

Der gleichen Meinung ist auch bwin-Direktor Jörg Wacker: „Die Entscheidung des OVG ist ein weiterer Beitrag zu einem Flickenteppich rechtlicher Entscheidungen zum Thema Sportwetten, der von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich aussieht“, hieß es in einer Erklärung. Als wegweisend betrachte man ebenfalls die ab November zu erwartende Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs. Der Wettanbieter will in letzter Konsequenz indes die Anrufung der ultimativen Instanz nicht ausschließen und vors Bundesverfassungsgericht ziehen. Die Kooperation mit Werder will das Unternehmen weiterhin fortsetzen und eine Ersatzlösung für die kommenden Heimspiele finden. Bei einigen Auswärtsspielen und internationalen Begegnungen könne der Verein ohnehin weiter mit dem Sponsor-Schriftzug auflaufen. Die jeweilige Gesetzesauslegung wird auch in Zukunft den ständigen Textiltausch notwendig machen.

Keine Kompromisse


Verbote für Werbung und Neuerungen auf der Fußballerbrust sind zurzeit ganz groß in Mode. Davon konnte sich jüngst der englische Verein Stambridge United selbst ein Bild machen. Die Kicker des Elftligisten warben zwar nicht für halblegale Wettanbieter, sondern für Chris Turner, einen englischen Schriftsteller. Der Teufel steckt jedoch im Detail und in der ebenso landestypischen wie umstrittenen Fanparole: „Der Referee ist ein W...“, prangte es auf den Trikots der Spieler. Die Verantwortlichen der Essex Olympian League konnten das natürlich nicht zulassen, dass ihre Schiedsrichter dermaßen verunglimpft werden, und zogen die Trikots aus dem Verkehr. Da gibt es keien Kompromisse. Der Aufdruck könne „als beleidigend aufgefasst werden“, erklärte ein Sprecher das Verbot. Turner meinte nur: „Das ist absolut absurd.“ Das ist das Theater um die Zuständigkeiten der Gerichte auch.

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