Benimm-Kurse für englische Fußball-Eltern

»Wirklich überhaupt nicht cool«

FA-Respect-Manager Dermot Collins sagte dazu der BBC: »Eine unserer Kurs-Prioritäten ist es, ein positives Umfeld zu schaffen, in dem Kinder das Fußballspiel lieben lernen und eine lebenslange Bindung dazu entwickeln. Das Feedback war bisher exzellent.« Für viele »moderne Eltern« sei das Unterstützen ihres Kindes vom Spielfeldrand aus Teil der Erziehung, daher sei es wichtig, ihnen dabei ein wenig »Anleitung« zu geben.

Albert Astbury, Vorsitzender der Schiedsrichtervereinigung, sieht das ähnlich: »Kürzlich musste einer unserer jungen Referees ein Spiel einer U-10 vorzeitig abbrechen, weil Eltern sich geprügelt haben. Es ist traurig, dass die Mehrheit der Vergehen, die von unseren Schiris verzeichnet werden, von Erwachsenen begangen wird.«

Benimm-Kampagne auch in Deutschland

Dem Bezirksfußballverband von Manchester genügen die Benimmkurse nicht: Künftig sollen »Vorfälle« auf der verbandseigenen Internetseite öffentlich gemacht und betroffene Klubs damit an den Pranger gestellt werden. Auf der offiziellen Webseite der FA findet man einen Verhaltenskodex, der Fehltritte von vornherein unterbinden soll. Hier wird Eltern klar gemacht, dass sie im Sinne des Fair Play Entscheidungen des Schiedsrichters stets respektieren und diese nicht etwa mit Beschimpfungen kontern sollte oder gar dadurch, dass sie aktiv ins Spiel eingreifen.

Beim DFB gibt es bereits seit 2008 die Kampagne »Fair ist mehr«, um den Sportsgeist im deutschen Fußball noch stärker zu fördern. Neben den seitdem jährlich verliehenen Preisen hat der DFB zu diesem Thema mittlerweile laut eigener Aussage etwa 50.000 Plakate und 150.000 Flyer an Landesverbände, Vereine und Trainer verteilt. In einem Eltern-Check können Erziehungsberechtigte anhand einiger Fragen zudem überprüfen, ob sie denn »richtig cool« sind, »wirklich überhaupt nicht cool« oder ob sie sogar eine Rote Karte bekommen und mal prüfen sollten, wie sie »cooler und fairer« werden können. Eigentlich ziemlich simpel: Wer beispielsweise die Frage »Lobst du dein Kind, wenn es einen gegnerischen Spieler gefoult hat?« mit »Ja« beantwortet, ist natürlich »wirklich überhaupt nicht cool«.

Linekers Sorgen

Und dennoch brauchen wohl auch hierzulande einige Erwachsene diese Art von Nachhilfeunterricht, wie DFB-Pressesprecher Thomas Hackbarth bestätigt: »Natürlich gibt es ›übermotivierte‹ Eltern. Manchmal sollen geplatzte Träume von den Kindern als Stellvertreter ausgelebt werden. Manchmal dient sogar ein Juniorenspiel als Ventil, um Stress und Druck abzubauen.« Zwar sei es auch hier bereits vereinzelt zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Eltern gekommen. Diese Vorfälle lägen aber in Deutschland, verglichen mit der Anzahl der Spiele, »im Promillebereich«, so Hackbarth.

Zumindest um Deutschland muss sich Gary Lineker also vorerst keine Sorgen machen.