Begegnung mit Ralf Rangnick

Gekommen, um zu streiten

Wir trafen Ralf Rangnick zu keinem normalen Interview, wir kamen zu einem Streitgespräch. Die große Frage an den Manager und Trainer von RB Leipzig hieß: Kommerz oder Kultur?

Jonas Holthaus

Seltsam, dass es im Besprechungsraum nicht neu riecht. Schließlich ist alles nagelneu hier, das Gebäude und seine komplette Inneneinrichtung. Die Profis von RB Leipzig sind erst wenige Tage zuvor in das neue, riesige Trainingszentrum eingezogen. Es hat eine Geschossfläche von 13.500 Quadratmeter und ist damit so groß, dass jeder Profi seinen eigenen Ruheraum hat. Auch die Nachwuchsspieler sind hier in einem Internat mit 50 Zimmern untergebracht. Es gibt eine große Sporthalle und spezielle Sprintbahnen, medizinische Schwimmbecken, etliche Therapieräume und ein eigenes Labor. 35 Millionen Euro hat das alles gekostet, und damit hat der Zweitligist die besten Arbeitsbedingungen im deutschen Fußball geschaffen. Noch vor Schalke, Gladbach, Dortmund oder Bayern.

Gekommen, um zu streiten

Aber wir sind heute nicht gekommen, um mit Ralf Rangnick über das Trainingszentrum zu sprechen, dessen Konzeption er als Sportdirektor wesentlich mitbestimmt hat. Wir sind auch nicht im Trainertrakt des Gebäudes, um mit ihm als Trainer einer Mannschaft zu sprechen, die allein in diesem Sommer netto so viel in Transfers investierte wie hierzulande sonst nur der FC Bayern und Borussia Mönchengladbach. Wir sind gekommen, um uns zu streiten.

11FREUNDE hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder kritisch mit dem Reißbrettklub von den Gnaden eines österreichischen Getränkeherstellers auseinandergesetzt. Aber wir finden es auch wichtig, die Argumente der Gegenseite zu hören und die eigenen Ansichten daran zu messen. Ralf Rangnick haben wir das genau so ausrichten lassen. Zum Vorgespräch waren wir deshalb bereits Anfang September bei Florian Scholz, dem Head of Media & Communication von RB Leipzig. Wir vereinbarten dabei ein anderthalbstündiges Gespräch mit Rangnick plus zusätzlicher Zeit für Porträtfotos. Dann allerdings platzte ein erster Termin kurzfristig, das Gespräch musste auf Oktober verschoben werden.