Begegnung mit Lothar Matthäus

Kann man im Leben eine Sperre absitzen?

Dass er, der früher Weltmeister wurde, und heute der breiten Öffentlichkeit vor allem durch junge Lebenspartnerinnen und diverse mediale Griffe ins Klo bekannt ist, nicht ganz unschuldig am eigenen Image ist, weiß Lothar Matthäus auch. Hoffentlich. Nur zögerlich gesteht er eigene Fehler ein, viel häufiger wirkt er trotzig, sarkastisch, aggressiv. Undank ist der Welten Lohn! Könnte er jetzt laut brüllen in diesem riesigen Konferenzzimmer, es würde passen. Macht er aber nicht. Wie das Interview, so auch seine Biografie: Keine Abrechnung mit sich selbst, eher ein Mosern mit dem Rest der Welt. Und dabei immer das Gefühl, dass unter dem Schnellkochtopf-Deckel der geschriebenen und gesagten Worte die wahren Emotionen klein gehalten werden. Ganz klar: Lothar Matthäus, der Weltfußballer, der Weltsportler, der Weltmeister, der Weltrekordler, der deutsche Sportgigant, fühlt sich nicht nur ungerecht behandelt. Er fühlt sich verarscht.

Das Interview als Kampf, Leben als Kampf. Matthäus, der ewige Zweikämpfer

Die nächste Frage: Ob er, der Verarschte, sich nicht häufig nach einer einsamen Insel sehnen würde? Nein, wieso? Das Leben als Kampf. Das Interview als Kampf. Vielleicht ist Lothar Matthäus genau das: Der ewige Zweikämpfer. Früher auf dem Rasen, heute in der Öffentlichkeit. Immer dazu bereit, die Konfrontation zu suchen. Immer etwas zu emotional, um einfach so durch ein Fußballspiel, durchs Leben zu gleiten. Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten und Lothar Matthäus war so gut, dass man ihm die Verfehlungen auf dem Rasen nicht übel nehmen konnte. Das Leben kennt keinen Abpfiff, keine roten und gelben Karten, keinen nächsten Spieltag. Vielleicht wartet Lothar Matthäus noch immer auf den Platzverweis und die fällige Sperre, die er dann einfach nur abzusitzen braucht, um wieder bei Null anzufangen.

Als das Interview zu Ende ist, haut Lothar Matthäus noch einen Spruch über den Altersunterschied raus. Schon wieder? Nur ein kleiner Spaß! Diesmal hat der Besucher aus Berlin den Gag nicht verstanden. Tschüss. Lothar grinst. Wieder einen Zweikampf gewonnen.