Bedrohen Sportwetten den Fußball?

»Noch größer als Doping«

Während die FIFA davon ausgeht, dass in allen europäischen Ländern Fußballspiele manipuliert werden, wiegeln die Wettanbieter ab. Tatsache ist: Viele Sportwetten trüben das Vertrauen in einen sauberen Sport. Bedrohen Sportwetten den Fußball?imago images
Das Thema Sportwetten erhitzt weiter die Gemüter. »Das ist eine große Bedrohung, im Fall Fußball wegen der Wahrnehmung, die sich in den Köpfen der Menschen festsetzt, noch größer als Doping«, sagte Detlev Zenglein, Analyst des vom Fußball-Weltverband FIFA ins Leben gerufenen Frühwarnsystems EWS (Early Warning System), am Montag auf dem 1. Kongress des Early Warning Systems (EWS) am Montag in Zürich.

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Laut Zenglein reichen Gerüchte über Manipulationen schon aus, um bei den Menschen Argwohn auszulösen und den Enthusiasmus für den Sport zu verlieren, weil sie sich betrogen fühlen. Nach Schätzungen der EWS-Experten könnten sich Einnahmen aus dem illegalen Wettgeschäft weltweit auf zwischen 100 und 350 Milliarden Dollar (80 bis 270 Millarden Euro) belaufen.

»Es gibt die Komponente Geldwäscherei«

Auch Carsten Koerl schlägt Alarm. Verantwortlich im Auftrag der FIFA, der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei der Sportradar AG für die Überprüfung illegaler Wetten, vertrat er die These, dass es inzwischen Manipulationen in allen Ländern Europas gebe. Koerl, der weltweit mit 250 Buchmachern kooperiert, behauptet sogar, dass inzwischen in der Türkei Jugendspiele der Achtjährigen manipuliert werden. Laut »Kurier« sagte er: »Es ist ein international organisiertes Verbrechen, und es gibt dabei auch die Komponente Geldwäscherei.«

»Für mich sind Glücks- und Wettspiele etwas Zwiespältiges«, ergänzte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter. Exekutiv-Mitglied Franz Beckenbauer, Präsident von Bayern München, der gerade einen millionenschweren Werbevertrag mit free.bwin abgeschlossen hat, verteidigte hingegen die Möglichkeit, auch mit privaten Wettanbietern Verträge abschließen zu dürfen.

Im Gegensatz zum europäischen Ausland ist diesen Werbung für Sportwetten untersagt. Norbert Teufelberger, Geschäftsführer von bwin, sagt: »bwin versteht sich als Partner des Sports. Eine Verantwortung, die unserer Meinung nach weit über das Eingehen von Sponsoringkooperationen hinausgeht. Wir sehen es als unsere Verpflichtung an, unseren Beitrag zu fairem, sauberem Sport zu leisten.«

Wie wichtig der deutsche Fußball die Veranstaltung genommen hat, zeigt, dass außer Beckenbauer auch DFB-Vizepräsident Rainer Koch, der stellvertretende -Generalsekretär Stefan Hans sowie der -Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn und seitens der DFL deren Geschäftsführer Holger Hieronymus und DFL-Justiziar Jürgen Paepke teilgenommen haben. Der für Rechts- und Satzungsfragen zuständige Koch meinte nach dem Treffen: »Da die Zusammenarbeit immer internationaler und professioneller aufgestellt wird, wird sie auch immer besser. Seitens des DFB arbeiten wir ständig daran, den Wettmarkt weltweit noch genauer zu beobachten. Schon am nächsten Montag werden wir in München zu einer nächsten Gesprächsrunde mit Vertretern des DFB, der DFL und UEFA sowie der Firma Sportradar zusammenkommen.«

Schließlich ergänzt Koch: »Was den Verdacht manipulierter Spiele in Europa betrifft, muss immer unterschieden werden zwischen journalistischem Verdacht und juristischem Beweis.«