Bayers legendäres 4:4 gegen Benfica

Mit Stahlhelm in die unendliche Leere

Vor zwanzig Jahren scheiterte Leverkusen im Europapokal der Pokalsieger an Benfica Lissabon. Trotzdem ist es eines der legendärsten Spiele in der Geschichte Bayers. Ein Rückblick.

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Reiner Calmund hatte mal wieder martialische Worte gefunden: »Stahlhelme auf und ab durch den Mist!«, tönte der Leverkusener Manager vor dem Viertelfinal-Rückspiel im Pokal der Pokalsieger 1994 gegen Benfica Lissabon in seiner gewohnt lauten Art. Nach Spielende, als ihm der Verlauf der Partie »die Füße weggeschlagen« hatte, klang das schon anders: »Eine Tortur«, stöhnte Calmund, »ein persönlicher Tiefpunkt. Der schlimmste Blattschuss in meiner Laufbahn als Manager.«

Stahlhelme hätten die Leverkusener Spieler an diesem Dienstagabend im Ulrich-Haberland-Stadion wohl tatsächlich gut gebrauchen können, wenn auch nur, um sich nach Abpfiff darunter zu  verstecken. Nach einem 1:1 im Hinspiel in Lissabon sah Bayer im Rückspiel lange wie der sichere Sieger aus. Ulf Kirsten und der vor der Saison nach Deutschland zurückgekehrte Altmeister Bernd Schuster hatten Bayer mit 2:0 in Front geschossen, beide Male nach Vorbereitung des überragenden Andreas Thom. Doch Benfica, eine Mannschaft, die »immer in der Lage ist, noch ein Tor zu machen«, so Trainer Dragoslav Stepanovic, tat genau dies und verwandelte den Rückstand in eine 3:2-Führung, nachdem der genialische Rui Costa innerhalb von 19 Minuten drei Treffer vorbereitet hatte. Aber Leverkusen kam zurück, wieder Kirsten und Pavel Hapal schossen Bayer zurück ins Halbfinale, bevor Wassilij Kulkow fünf Minuten vor Schluss mit dem Ausgleich zum 4:4 die Leverkusener aus dem Wettbewerb schoss.



Als Schiedsrichter James McCluskey die Partie wenig später abpfiff, war nicht nur Calmund der Verzweiflung nahe. Bei den Spielern, die nach diesem unglaublichen Spiel ausgepumpt auf dem Rasen lagen oder in die Leere des Leverkusener Nachthimmels stierten, vielleicht auf der Suche nach Antworten, klang das Fazit nicht unähnlich: »Ich hab die Schnauze voll«, blaffte Andreas Thom in die Mikrofone, und sprach damit wohl das aus, was seine portugiesischen Gegenspieler zuvor auf dem Platz gedacht haben mussten, als Thom mit seinen Haken und Finten ein ums andere Mal durch die Lissabonner Abwehrreihen gewuselt war. Doppeltorschütze Kirsten sprach ob des späten Ausscheidens von einer »unendlichen Leere im Kopf«.