Bayerns sensationelle Aufholjagd in Bochum

Cramer, Trainer und Fußballphilosoph

Während die VfL-Elf noch wie eine Maus vor den Augen einer müden Katze ihr Tänzchen aufführt, erwacht das Bayern-Spiel langsam zum Leben. Die Abwehr der Ruhrpottkicker scheint dem Größenwahn anheimgefallen – die Verteidiger lassen nun sogar Gerd Müller im Sturmzentrum Freiräume.

Die Rache der Bayern könnte grausamer kaum sein. In nur 22 Minuten schießen sie fünf Tore. Die Bochumer Träume von einem Schützenfest gegen den Europacupsieger zerplatzen wie ein Lederball unter den Rädern eines Sattelschleppers.

Der finale Konter

Als Jupp Kaczor in der 80. Minute nochmals zum 5:5 ausgleicht, muss die Partie im Fotofinish entschieden werden: Eine Minute vor dem Abpfiff verliert der VfL-Angreifer nach einem verunglückten Fallrückzieher im Bayern-Strafraum den Ball und die Münchner brechen zu einem finalen Konter auf.

Der letzte Verbliebene in der Bochumer Hintermannschaft ist Erich Miß. Uli Hoeneß lässt ihn wie einen Pappkameraden stehen und stellt den Endstand her. Dettmar Cramer konstatiert später im Stile des Fußballphilosophen: »Am Tag des offenen Tores hat die bessere Mannschaft gewonnen.«

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