Bayerns seelenlose Vorstellung

Die Quittung für den Verwalter

Wenn ein Filmemacher irgendwann einmal eine Dokumentation über den FC Bayern drehen will, in der gezeigt werden soll, dass der Klub zu überheblichem Fußball neigt, dann böten sich Szenen vom vergangenen Samstag an. Bayerns seelenlose VorstellungImago Tatsächlich lässt sich ein besserer Beleg für den Vorwurf, den sich der Rekordmeister oft genug anhören muss, nur schwerlich finden. 2:2 stand es am Ende dieser 90 Minuten in Mönchengladbach, die Bayern hatten zwei sicher geglaubte Punkte verschenkt, und man musste nur ein Auge auf Uli Hoeneß werfen, um zu sehen, wie die Lava im Innern des Bayern-Managers brodelt.

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Er kann nicht aus seiner Haut, er ist der größte Bayern-Fans aller Zeiten, und den kleinsten Misserfolg empfindet er als persönliche Niederlage. Manchmal ist sein Ärger so groß, dass er sich schützen muss. Dann meidet er die Presse, dann sagt er kein Wort und marschiert in den Mannschaftsbus, in dem er hinter getönten Scheiben noch zu erkennen ist, weil sein Kopf wie eine Signallampe strahlt.

Was hatte der Mann vor einer Woche gesagt? Nach dem Erfolg auf Schalke? »Das Land Bayern muss wieder nach vorne kommen.« Und nach so einem großen Satz hätte man natürlich gerne erfahren, was jetzt eine Punkteteilung für den Freistaat bedeutet. Für den Klub Bayern München ist dieses Ergebnis von Gladbach, das muss man kaum betonen, ein mächtiger Rückschlag.

Und was passiert? Nichts passiert

Nicht nur weil der Abstand des Titelverteidigers auf Leverkusen und auf Hoffenheim wieder auf drei Punkte angewachsen ist, das ist es nicht allein, bemerkenswerter ist der Imageverlust, den dieses Spiel mit sich bringt. Jürgen Klinsmann war angetreten, um als Trainer einen Fußball moderner Prägung spielen zu lassen. Und was passiert? Nichts passiert. Jedenfalls ist kein Fortschritt erkennbar.

Bei der Borussia zeigten die Bayern einen technokratischen Sport, der zwar gewürzt wird mit den genialen Momenten eines Franck Ribery, der aber insgesamt viel zu seelenlos rüberkommt. Kampf, Leidenschaft, Herz, Tempo, nein, das sind Attribute, die sich andere Teams verdienen. So gesehen hätte dieses Wochenende für die Münchner kaum schlechter laufen können.

Sie hatten geführt. Die bayerischen Schmückstücke, Luca Toni und Frank Ribery (per Elfmeter), hatten getroffen, doch dann hatte die sofort einsetzende Verwaltungsmaschinerie nicht funktioniert. Der Cheftrainer hatte die Techniker Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger vom Feld geholt, aber daran lag es nicht, dass die Borussia zum Leben erwachte.

Es war ein einstudiertes Tor von Rob Friend, das nach einer Ecke für die Wende sorgte. »Zum Glück ist das 1:2 zeitig gefallen, und dann weiß man, was im Fußball passieren kann«, sagte Gladbachs Coach Hans Meyer. Man hat es ja wirklich oft genug erlebt. Der Treffer verunsicherte die Bayern und gab der Borussia eine unerwartete Stärke. Das 2:2 von Michael Bradley nach 81 Minuten und überzeugender Vorarbeit von Robert Colautti war insofern gar keine Überraschung mehr.

»Wir nehmen das als ein Bonbon in unserem Kampf gegen den Abstieg«, freute sich Meyer, der schon jede Hoffnung aufgegeben hatte. »Ohne als Pessimist bezeichnet zu werden, sagt man nach dem 0:2 eigentlich: Das war's.« Entsprechend gelöst war dann die Stimmung nach einem Punktgewinn, den die Borussen als »gefühlten Sieg« werteten.

Es geht aufwärts. Die Borussia zeigt mehr und mehr Konturen. Mit Marko Marin, Michael Bradley und vor allem auch Alexander Baumjohann hat der Klub plötzlich kreative und ausgesprochen junge Offensivspieler, die zugleich auch erstklassige Imageträger sein dürften. Das ist gut für die Borussia. Und wäre man Uli Hoeneß würde man sagen: Das Land Niederrhein muss wieder nach vorne kommen.