Bayern gewinnt in Lissabon

Ein Sieg, mehr nicht

Das 5:0 des FC Bayern bei Sporting Lissabon bringt dem Verein zunächst einmal Ruhe. Ein Ende der jüngsten Krise lässt sich daraus aber noch nicht ablesen. »Wir sollten dieses Ergebnis nicht überbewerten«, sagt Klinsmann. Bayern gewinnt in LissabonImago Es gibt wenige Dinge im Fußball, die so unerklärlich sind wie »der Lauf«. Niemand weiß so recht, wie man ihn bekommt, diesen »Lauf«, wie man ihn behält und warum man ihn plötzlich wieder los ist. Spieler, deren Mannschaft gerade keinen »Lauf« hat, fordern bisweilen, dass jetzt nur Siege helfen - was meist dadurch erschwert wird, dass eine Mannschaft eben darum nicht gewinnt, weil sie gerade keinen »Lauf« hat.

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Beim FC Bayern haben sie sich in den vergangenen Tagen auch gefragt, wo sie denn nun einen »Lauf« herbekommen könnten, um ihre hehren Ziele in drei Wettbewerben zu erreichen. Drei von vier Bundesliga-Spielen hatte die Mannschaft verloren. Verantwortliche und Spieler debattierten über fachliche Fähigkeiten des Trainers und darüber, dass es derzeit einfach nicht laufe bei den Münchnern.

»Ein sehr schöner Abend für uns«


Nun hat die Elf in der Champions League gewonnen, mit 5:0 bei Sporting Lissabon und es bedürfte schon eines Albtraums, wenn der FC Bayern im Rückspiel noch scheitern sollte.

Eine Soiree der Freude am Tejo: Franck Ribéry spielte lustvoll wie in der Liga lange nicht mehr, Zé Roberto und Philipp Lahm gaben auf der linken Seite eine Sondervorstellung zum Thema Zusammenspiel - und auch die Stürmer Luca Toni und Miroslav Klose trafen, wie man eigentlich nur dann trifft, wenn man einen »Lauf« hat: mit der Hüfte oder nach zweifachem Nachschuss. »Es war ein sehr schöner Abend für uns«, sagte Trainer Jürgen Klinsmann nach dem Spiel.

Es war ein Abend, wie ihn der FC Bayern schon oft erlebt hat in den vergangenen zehn Jahren. Da plagte sich die Elf durch manches Bundesliga-Spiel, um dann in der Champions League glanzvoll zu spielen. So, wie viele Besetzungen des FC Bayern zuvor, scheint auch diese Elf genau dann die passenden Ergebnisse zu erzielen, wenn sie sich in einer Position befindet, in der es ums Scheitern geht.

»Noch kein Zeitpunkt für Euphorie«


Es war ein wuchtiges Signal, das die Mannschaft da aus Lissabon an die künftigen Gegner Werder Bremen (Liga) und Bayer Leverkusen (DFB-Pokal) gesendet hat. Aus diesem Abend nun einen Trend für die Bundesliga abzuleiten, wäre indes zu früh.

Nach dem formidablen DFB-Pokal-Auftritt beim VfB Stuttgart hat die Mannschaft drei Punkte in vier Ligaspielen gewonnen. Die Elf muss ihre Leistung nun konservieren, um nicht schon nach dem Spiel in Bremen den Anschluss verloren zu haben.

So kann auch die Aussage von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel bewertet werden. Weniger in die Kameras, eher in die Richtung des Emotions- und Euphorie-Trainers Jürgen Klinsmann sagte er: »Was mir in der Kabine besonders gefallen hat, war, dass keiner euphorisch war.« Spieler Mark van Bommel ergänzte: »Das ist noch kein Zeitpunkt für Euphorie.«

Da blieb auch dem Trainer nichts anderes übrig, als zuzustimmen: »Wir sollten dieses Ergebnis nicht überbewerten.« Gegen einen Lauf in der Liga hätten wohl alle drei Bayern-Kräfte wenig einzuwenden.