Bayern-Dortmund 5:0

Mit einer Demontage nach Berlin

Der lange berauschend aufspielende FC Bayern gewinnt die Generalprobe fürs Pokalfinale gegen Borussia Dortmund mit 5:0. Die BVB-Fans sangen dennoch tapfer: »Berlin, Berlin, wir fahr’n nach Berlin!« Aber was wollen sie da noch? Bayern-Dortmund 5:0imago images
Nach 20 Minuten verschafften sich die paar Tausend Dortmunder doch einmal Gehör. »Berlin, wir fahr’n nach Berlin!«, brüllten die Gäste aus Westfalen, die oben unter dem Arenadach saßen. Mit der nahenden Teilnahme ihres BV 09 Borussia am DFB-Pokalendspiel nächstes Wochenende in der Haupstadt versuchten sie wohl einen schlimmen Schock zu therapieren. Denn unten auf dem Rasen, direkt vor ihren Augen, hatte sich das Tornetz bereits dreimal bewegt, 3:0 hieß es für den berauschend aufspielenden FC Bayern, den Finalpartner der Gäste am kommenden Samstagabend (20 Uhr). Doch dieser Eskapismus entfaltete seine lindernde Wirkung leider nur zwei Minuten, dann erzielte Luca Toni das 4:0. Und jetzt waren die treuesten Münchner dran, sie riefen den Dortmunder Profis zu: »Wir woll’n euch kämpfen sehn!«

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Etwas gekämpft haben die Gäste dann noch, weshalb es am Ende nur 5:0 (4:0) für die Bayern hieß. Denen ist selbstredend die Favoritenrolle für Berlin nicht mehr zu nehmen für den kommenden Samstag, wenn der erste Titel der Saison vergeben wird. Weitaus sicherer erscheint den Münchnern allerdings die Meisterschaft, bei nunmehr zehn Punkten Vorsprung auf den Nächstbesten, zurzeit heißt der Werder Bremen.

Was Ottmar Hitzfeld von einer Generalprobe gegen einen Endspielgegner hält, hatte er allen mit seiner Aufstellung mitgeteilt: für eine im Grunde verzichtbare Trainingseinheit. Der Bayern-Coach rotierte also nach dem elektrisierenden Thriller von Getafe und schonte einige aus Spanien angeschlagen heimgekehrte Spieler. Klose (Hüftprobleme), Ribéry (Fuß) und Jansen (Knie) saßen nicht einmal auf der Bank, Innenverteidiger Lúcio verbrachte die Partie als Reservist; für ihn spielte van Buyten, den gesperrten Holländer van Bommel ersetzte Ottl. Zur Halbzeit blieb dann sogar noch Kapitän Oliver Kahn in der Kabine. Offiziell wurden leichte Schulterprobleme vermeldet, doch vermutlich hatte er sich nun einfach genug feiern lassen für seine viel beachtete Sprinteinlage in der Schlussminute von Getafe.

Nichts anderes als überrannt

Die Dortmunder dagegen probten laut Startelf den Ernstfall (nur Rukavina fehlte), insofern müssen sie die Ereignisse der ersten Hälfte besonders betrüben. Nichts anderes als überrannt wurden sie von den Bayern, die den Ball mit einer hohen Genauigkeit zirkulieren ließen. Das Erfolgserlebnis vom Donnerstag gab ihnen sichtbar Sicherheit für Automatismen, die in den vergangenen Monaten nicht immer abrufbar waren. Und sie gingen dabei ausnahmsweise nicht verschwenderisch mit ihren Chancen um: Lell steil in die Spitze auf Toni, der abprallen lässt für Podolski, dessen traumhafter Schlenzer aus 20 Metern ins Eck segelt – dieses Tor zum 1:0 nach nur 150 Sekunden bildete den Auftakt einer Phase, in welcher die Dortmunder andächtige Zuschauer gaben und partout das Duell am Mann verweigerten.

Überragend sicher eröffneten die Bayern allerdings auch ihr Spiel von hinten, besonders über die linke Abwehrseite, wo Demichelis als unfehlbarer Abräumer und Lahm als verlässliche Schaltstelle herausstachen. Der Münchner Nationalspieler initiierte auch das 2:0, welches das Führungstor an Schönheit noch übertraf: Lahm, Schweinsteiger und Toni spielten sich durchs Mittelfeld, als stünden ihnen dort keine Leistungssportler im Weg, sondern gelbe Mülltonnen. Lahms Hereingabe verpasste zwar Toni, doch hinter ihm lauerte der insgesamt glänzend aufgelegte Zé Roberto und hob den Ball ins Netz (8.). Luca Toni ließ sich dann aber nicht lange zweimal bitten, mit einem kunstvollen Außenristschlenzer erhöhte er, tapfer eskortiert von Wörns, auf 3:0 (18.); mit dem vierten Treffer (24.), diesmal hübsch aufgelegt von Zé Roberto, erhöhte der Italiener sein Saisonkonto in der Liga dann auf 18 Tore.

Ob sich die Dortmunder bis Samstag von dieser Vorführung erholen, ist schwerlich vorstellbar. Erst in der 64. Minute kamen sie zu einer veritablen Torchance, die Vorarbeit leistete der weit aufgerückte (und zur Pause eingewechselte) Verteidiger Kovac mit einem verunglückten Linksschuss – dem flotten Kullerball setzte Kringe am entfernten Pfosten zu spät nach. Petric, seinen torgefährlichsten Mann, hatte BVB-Trainer Doll da schon längst abgezogen; der Kroate sollte als Augenzeuge eines Demontage wohl nicht länger Schaden nehmen.

Die Münchner verwalteten im zweiten Abschnitt den Vorsprung, ohne sich allerdings nachsagen lassen zu können, die Arbeit eingestellt zu haben. Sie ließen sich nur etwas zurückfallen – wahrscheinlich mit der hinterlistigen Absicht, wenigstens einmal die Stärken des jeweiligen Gegenspielers in Ballbesitz studieren zu können. Man weiß ja nie, wie so ein Endspiel läuft. Für ein paar Angriffe blieb dennoch Zeit, und vor dem 5:0, das Ottl mit haltbarem Distanzschuss erzielte, durfte fast jeder Münchner einmal abziehen (67.). Gut 20 Minuten später wirkten die Dortmunder sehr erleichtert. Es war überstanden.