Bayer Leverkusen bildet Flüchtlinge zu Trainern aus

Fußball im Schatten der Welt

Seit 2009 bilden Trainer von Bayer Leverkusen in Krisenregionen Flüchtlinge und Kriegsopfer zu Jugendtrainern aus. Und erleben Geschichten, die sie bis nach Hause verfolgen.

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Peter Quast vergräbt sein Gesicht in die Hände. Er reibt sich die feuchten blauen Augen und schüttelt sich kurz. Seine Stimme ist trotzdem fest. »Es gibt Geschichten, die muss ich erst einmal sacken lassen. Die darf ich nicht mit nach Hause nehmen. Sonst fressen sie mich auf«. Wie die des Syrers, der mit seiner schwangeren Frau und seinen sechs hungrigen Kindern 80 Kilometer zu Fuß durch die ewige Wüste Jordaniens ins Flüchtlingslager nach Azraq floh.

Eineinhalb Jahre nach seiner Ankunft ist er einer von 40 Teilnehmern des Fußballcamps, das Quast leitet. Er erzählt dem Fußballtrainer von Bayer Leverkusen seine Geschichte. »Das Camp war für ihn das schönste Ereignis seit vielen Jahren«, so Quast. Seit sieben Jahren sind es diese und ähnliche Schicksale, mit denen sich Quast auf der ganzen Welt auseinandersetzt.

Bayer im sozialen Netzwerk

2009 schloss sich Leverkusen der »Football Club Social Alliance« an. Gemeinsam mit Trainerkollegen der Partnervereine Werder Bremen, Austria Wien, FC Basel und Queens Park Rangers reist der 65-jährige Pensionär aus Troisdorf in Krisenregionen. Dort bildet er vor Ort »Young Coaches« aus, die den Kindern in ihrer leidvollen Trostlosigkeit helfen und mithilfe des Fußballs ihre Freude wiederfinden sollen.

Das Projekt wird von der Scort Foundation aus der Schweiz koordiniert. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Kindern mithilfe des Sports eine lebenswertere Entwicklung zu verschaffen.

Von Uganda nach Katar und in die Schweiz

»Bayer hat viel Geld in dieses Projekt investiert«, sagt Jörg Kappenhagen, Leiter der Abteilung Fans und Mitgliedschaften in Leverkusen und ebenfalls mehrmals als Fußballlehrer in den Krisenregionen vor Ort. Denn die Stiftung nutzt lediglich ihre Netzwerke und Kontakte, um eine erfolgreiche Organisation und Koordination zu gewährleisten. Finanziert werden die Reisen, Aufenthalte und Utensilien von den Vereinen. Quast ist ehrenamtlich unterwegs.

»Du musst die Leidenschaft und das Herz dafür haben«, erklärt Quast seine Beweggründe. Und die kleinen Momente genießen. So wie damals in Katar, als er zufällig zwei von ihm ausgebildete »Young Coaches« aus Uganda wiedertraf. Die beiden Mädchen waren die besten ihres Camps und durften dadurch erst nach Katar und später in die Schweiz fliegen, um sich dort weiter fortzubilden. »In der Schweiz haben beide zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee gesehen«, erzählt Quast. Seine Augen strahlen dabei.