Başakşehir vs. Hoffenheim im Retortenklub-Check


Wie geil ist das denn?!


Başakşehir FK gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Das ist es, wofür die Menschen in die Stadien und vor die Fernseher rennen. Was für ein episches Duell! Aber: Wer ist eigentlich der geilere Retortenklub? Wir machen den Check.

imago




Die Finanzen


1990 vom damaligen Bürgermeister Istanbuls gegründet, war der Klub bis zum Sommer 2014 die Betriebsmannschaft der Istanbuler Stadtverwaltung. In diesem Jahr zog der Klub auch in den seither namensgebenden Stadtteil und spielt nunmehr im Başakşehir Fatih Terim Stadı, benannt nach dem »Imperator«, benannt nach Trainer-Legende Fatih Terim (Warum Fatih Terim ein Restaurant verwüstete, lest ihr hier >>>)

Zum Eröffnungsspiel lief Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan für seine Lieblingsmannschaft auf, erzielte einen Hattrick. Vermutlich ist es nur dem Diktat seines engen Terminkalenders geschuldet, dass er nicht auch im regulären Spielbetrieb auf Torejagd geht. 

Dafür kümmert er sich offenbar hingebungsvoll darum, dass die Finanzen stimmen.

Den Stadionbau hatte die Kalyon Grup Holding ausgeführt, die unter anderem an den umstrittenen Plänen zur Umgestaltung des Taksim-Platzes beteiligt war und gerade mit dem dritten Flughafen für Istanbul ein weiteres Prestigeprojekt der Regierung realisiert hatte. Auch das Sponsoring bestreiten Firmen, die aus dem Dunstkreis des Präsidenten stammen.

Zum Beispiel Makro Inşaat, ein Bauunternehmen, das das neoliberale Zukunftsversprechen der Regierungspartei AK Parti (AKP) mit dem Werbespruch »Bir Ev, Bir aile«, zu deutsch »Eine Familie, ein Haus«, proklamiert. Oder Medipol, eine Klinikkette und neuerdings Namensgeber der Mannschaft, die dem angeblichen Leibarzt des Erdoğan-Clans, Dr. Fahrettin Koca, gehört.



Dagegen stinkt Hoffenheim regelrecht ab. Dietmar Hopp ist der Sohn einer herzensguten Frau und  ansonsten einfach nur ein Philanthrop, der seinen bescheiden vom Mund abgesparten Anteil in die nachhaltige Stärkung der regionalen Strukturen investiert hat. Man könnte jetzt auch sagen, dass er einfach so Millionen über Millionen in einen Retortenklub gesteckt hat. Aber der Mann schaut sich auch gern mal die Jugendspiele von 1899 an, für die er selbst einst kickte. Also alles gut. 

Gut, dass er in der Zweitliga-Saison 2007/08 allein knapp 18 Millionen Euro an Transferausgaben in die Mannschaft gepumpt hat, was nach heutigen Maßstäben wahrscheinlich so um die 50 Millionen Euro wären, ist nur als Anschubfinanzierung zu sehen. Ganz normal. Uns fällt nur kein anderes, ähnlich gelagertes Beispiel ein. Also, außer Rasenball Leipzig. Aber das ist, als würde man einen Boskop- mit einem Royal-Gala-Apfel vergleichen.



1:0 für Başakşehir