Barcelonas Alen Halilovic steht vor einem Wechsel zum HSV

In Hamburg sagt man Halihallo

Der HSV steht vor der Verpflichtung eines der größten Fußballtalente Europas. So wird Alen Halilovic zumindest angekündigt. Kann der 20-Jährige dieses Versprechen halten?

Imago

Früher konnte selbst ein mittelmäßiger Fußballer Gott werden. Er musste nur ein paar Übersteiger zeigen oder einen Pass über 40 Meter spielen, prompt klebte am nächsten Tag der Boulevardzeitungs-Zusatz »–Maradona« an seinem Namen.
 
So konnte man in jenen Jahren vom »Alpen-Maradona« (Andreas Herzog), einem »Bosporus-Maradona« (Emre Belozoglu), einem »Singapur-Maradona« (Abbas Saad), einem »Südkorea-Maradona« (Yoo Young Park) oder einem »Wüsten-Maradona« (Saeed Owairan) lesen. Selbst Hans-Werner Reif, der in den achtziger Jahren gerade mal 14 Spiele für den 1. FC Köln bestritt, konnte sich mit dem glorreichen Appendix schmücken: Er war bekannt als der »Maurergesellen-Maradona«.

Vom »Ruhrpott-Messi« zum »Balkan-Messi«
 
Heute ist Diego Maradona dick und träge, und er gibt in der Öffentlichkeit oft ein trauriges Bild ab, weswegen mittlerweile Lionel Messi, der Nachfolger von »El D10S«, bei diesem beliebten Namen-Pimping aushelfen muss. Und so liest man mal von »Serbiens Messi« (Andrija Zivkovic), »Asiens Messi« (Baek Sung-dong) oder, wie die »Bild« im Februar 2013 über Marco Reus titelte, vom »Ruhrpott-Messi«.
 
Seit einigen Jahren taucht auch oft der Name Alen Halilovic in dieser Liste auf. Der Kroate ist zumindest einer von diesen Spielern, die bereits im zarten Alter von 13 oder 14 zum Wunderkind und kommenden Weltstar stilisiert werden. Einer, den die heimische Presse einst mit Luka Modric verglich, und der, als diese Referenz ein bisschen zu weltlich erschien, ebenfalls zum nächsten Messi erklärt wurde.
 
Dieser Superspieler, der aktuell beim FC Barcelona unter Vertrag steht, soll nun zum HSV wechseln, und natürlich versetzt so ein Transfer halb Hamburg in vorfreudige Schnappatmung. Das »Hamburger Abendblatt« schreibt von »einem der größten Fußballtalente Europas«, und die »Hamburger Morgenpost« begrüßt den Mann als »Balkan-Messi«. (Der Name »Kroaten-Messi« ist nämlich schon vergeben. Laut »Focus« wird so Landsmann Ante Coric genannt).
 
Schon vor einem Jahr war der HSV an Alen Halilovic interessiert, und schon damals schien der Spieler einem Wechsel nicht abgeneigt. Am Ende zerschlug sich der Transfer allerdings. Notorische Nörgler würden nun sagen: Peter Knäbel war ja noch Sportdirektor. Aber daran lag’s wohl nicht, denn der HSV sollte Halilovic eine Einsatzgarantie von 60 Prozent versprechen, und da wollten die Hamburger nicht mitmachen.

ManUnited, ManCity, Real – alle wollten Halilovic
 
Diesmal stehen die Chancen besser als vor einem Jahr. Schließlich pflegt Hamburgs Alles-in-einem-Boss Dietmar Beiersdorfer gute Kontakte zu Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu, den er erst vor zwei Monaten beim Hamburger Hafengeburtstag empfing.

Bevor wir also mit schnappatmen, kurz die Fakten: Im September 2012 – Halilovic war gerade mal 16 Jahre und 100 Tage alt – debütierte der offensive Mittelfeldspieler für Dinamo Zagreb in der 1. HNL, Kroatiens erster Liga. Vier Wochen später folgte die Premiere in der Champions League. Acht Tage vor seinem 17. Geburtstag gab Halilovic sein Länderspiel-Debüt für Kroatien, was ihn zum jüngstem Nationalspieler in der Verbandsgeschichte macht.

Danach kam, was kommen musste: Real Madrid, Manchester United, Manchester City, Werder Bremen, AC Mailand, Udinese Calcio und noch circa 297 andere Klubs warben um den Spieler. Im Juli 2013 verkündete Dinamo-Präsident Mirko Barisic in der »Sportske Novosti«, dass der Junge fortan für Totenham Hotspur spielen werde, ein Jahr später lancierte sein Berater, dass er sich mit dem FC Bayern einig sei.

Tatsächlich blieb er die ganze Zeit über bei Dinamo Zagreb und ging im Sommer 2014 schließlich für fünf Millionen Euro zum FC Barcelona.