Barca hat einen neuen Sponsor

111 Jahre minus 165 Millionen

Das bislang von kommerzieller Werbung verschonte Trikot des FC Barcelona bekommt einen Sponsor: Für 165 Millionen Euro wurde Barcas Brust an eine Organisation aus dem Katar verkauft. Eine 111-jährige Tradition ist gebrochen. Barca hat einen neuen Sponsor Rot-Blau-Rot. Barca!Barca!Barca! Es gibt kein bekannteres Fußball-Trikot einer Vereinsmannschaft auf diesem Planeten, als das des FC Barcelona. Rote Streifen, blaue Streifen, das Vereinswappen, der gestickte Stempel des Herstellers. Und sonst? Nichts. Eine freie Brust als Zeichen der Individualität dieses Vereins. 111 Jahre blieben die Leibchen des gegenwärtig aufregendsten Fußball-Klubs der Welt ohne kommerzielle Werbung. Seit dem Wochenende ist das anders. Und der Fußball-Welt ist wieder ein Stück Tradition weggebrochen.

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Barcas Verantwortliche haben einen Vertrag unterschrieben, der das Tabu der werbefreien Brust ihrer Fußballer bricht, bestätigten am Wochenende die Nachrichtenagenturen – im Grunde ist das nicht ganz richtig. Bereits seit 2006 prangt auf Rot-Blau-Rot das Logo von Unicef, doch diente der FC Barcelona der Hilfsorganisation lediglich als Werbemittel in eigener Sache. Geld floss zudem in die andere Richtung: Jährlich macht Barca 1,5 Millionen Euro an Spenden locker, diese Tradition soll auch in Zukunft nicht geändert werden. Das ehrt den Klub, der für seine Anhänger sogar mehr als ein Klub ist. Und dennoch steht nun diese Zahl im Raum: 165 Millionen Euro bis zum Jahr 2016. So viel Geld zahlt die »Quatar Foundation« dem spanischen Vorzeigeverein, um für die gemeinnützige Organisation des Emirats Katar als lebendige Werbebanden Fußball zu spielen. 30 Millionen Euro pro Jahr. Eine Rekordsumme, Bayern München und die Deutsche Telekom sind mit einer Unterschrift auf Rang Zwei diesen fragwürdigen Rankings heruntergestuft.

Kein Verein der Welt hätte diese Summe abgelehnt

Und nun? Soll man sich echauffieren über dieses äußerst gut dotierte Ende der 111-jährigen Vereinstradition? Oder doch achselzuckend einen weiteren Erfolg der Kommerzialisierung im Weltfußball akzeptieren? Es wäre vermutlich töricht gewesen, von den Barca-Verantwortlichen zu verlangen, dieses ungeheure Angebot abzulehnen. Kein Verein dieser Welt kann so einer Summe widerstehen. Denn der FC Barcelona ist vielleicht mehr als ein Klub, dafür aber hoch verschuldetet und Spieler wie Lionel Messi, Xavi, Iniesta und all die anderen wunderbaren Fußballer treten auch für diesen Verein nicht umsonst gegen den Ball. Andererseits: Die vergangenen Jahre ging es doch auch ohne »Quatar Foundation« und die Millionen aus dem frisch erkauften WM-Land von 2022? Mit dem Verzicht auf den Rekord-Deal hätten Barcelonas Macher die Chance gehabt, ein Zeichen zu setzen. Seht her: Unsere Brust, unser Trikot, unser Heiligtum, bleibt unverkäuflich! Mit Geld lässt sich nicht alles kaufen. Von wegen.

Die Kollegen vom englischen Blog »Who ate all the pies?« fassten die Nachricht des millionenschweren Sponsorenvertrags mit dramatischen Worten zusammen: »Heute starb schon wieder ein Stück Fußball.« Vielleicht ist das übertrieben. Vielleicht sollte es eher heißen: »Heute starb schon wieder ein Stück Romantik.« Und wenn es nur ein teures Stückchen Stoff ist.

Für die Erinnerung: Die schönsten Barca-Trikots aller Zeiten in unserer Bildergalerie!

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