Barca in der Einzelkritik

It´s magic

Iniesta ist das beste Weichei der Welt, Messi ist tatsächlich nicht von dieser Welt und Xavi der Allergrößte – Barca in der Einzelkritik.

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Marc-André ter Stegen
Früher, ganz früher, da konnte man sich bei solchen Überteams wie dem FC Barcelona wenigstens sicher sein, dass zumindest ein Akteur nicht so wirklich gut kicken konnte. Klar, der Keeper. Der durfte Rückpässe mit den Händen aufnehmen und tat das natürlich auch. Heute heißt der Torwart des FC Barcelona Marc-André ter Stegen und spielt 40-Meter-Pässe in den Lauf. In Bedrängnis. Mit links und rechts. Per Direktabnahme. Dazu kann er all das, was auch die früheren Keeper so torwarttechnisch drauf hatten. Wir legen uns fest: In 20 Jahren machen die Torhüter das Spiel und die entscheidenden Hütten. Weltherrschaft dann 2060. Vielleicht mit Marc-André ter Stegen auf dem Thron.

Dani Alves
Die ganz großen Tage von Dani Alves beim FC Barcelona sind vorbei. Indizien: Er wechselt wohl zu Manchester United, wo sich Louis van Gaal gerade an einem Barca-II-Projekt bastelt, außerdem sahen wir im kompletten Finale nicht einen irren Offensivlauf des Brasilianers, geschweige denn einen noch bekloppteren 30-Meter-Schuss. Was aber nicht schlimm war, denn Barca gewann das Finale, Dani Alves erledigte seinen Job (Linksverteidiger) befriedigend und tritt jetzt wohl mit einem Champions-League-Sieg die Reise nach Manchester an. Gibt beschissenere Tage.

Pique
Der Mann ist schön, hat eine der schönsten Frauen der Welt (Shakira, ihr Unwissenden!), wohnt in einer der schönsten Städte der Welt, verdient sein Geld beim schönsten Verein, der den schönsten Fußball spielt – klar, dass so ein vom Schicksal umarmter Kerl seine Rolle als Innenverteidiger so interpretiert, dass man sich zeitweise in einem Ballett und nicht bei knochenharter Defensivarbeit wähnt. Einziges Manko: sein Stellungsspiel. Allerdings nach dem Finale. Da stellte er sich so ungeschickt vor Kapitän und Pokalheber Xavi, dass vom kleinen großen Mann (Größenunterschied: 22 Zentimeter) nur noch die Hände am Cup zu sehen waren. Sah zur Abwechslung mal nicht so schön aus.

Javier Mascherano
Aha! Haben wir gestern zwischen Bratwurst und dem nächsten Hefeweizen gar nicht mitbekommen, aber der Argentinier absolvierte die ersten Minuten offenbar mit dem falschem Schuhwerk und rutschte deshalb so unbeholfen über den Berliner Rasen. Ein fixer Schuhwechsel brachte die gewohnte Standfestigkeit und Mascherano konnte – obacht! – seinen Stiefel runterspielen. Schön zu sehen, dass es selbst im Jahr 2015 noch Arbeitspferde braucht, damit sich die tollen Hengste vorne austoben können.

Jordi Alba
Man sollte sich nach Ansicht solcher Spiele, wie jenes von Jordi Alba am gestrigen Abend, mal fragen, ob der Begriff »Verteidiger« für einen wie ihn noch passend ist. So lautet zwar seine offizielle Jobbezeichnung, aber das wäre so, als würde man einen handelsüblichen 11FREUNDE-Redakteur als investigativen Kriegsreporter titulieren. Passt irgendwie nicht, gell? Der Spanier wetzte nämlich derart häufig über des Gegners Mittellinie, dass sich Gerüchten zufolge Andreas Brehme am gestrigen Abend mit links wie rechts ohrfeigen musste, um Jordi Albas Spiel zu verstehen. Sein Stellungsfehler leitete das Gegentor ein, aber wer will nach einem 3:1-Finalsieg noch über Fehler mosern. Wir nicht. Irgendein investigativer Kriegsreporter vielleicht?

Ivan Rakitic
Fragen, die man sich gestern den ganzen Abend lang immer und immer wieder stellte: Wie kann es sein, dass der FC Schalke 04 einen Spieler gehen ließ, der 2014 zum besten Barca-Spieler gekürt wurde, den besten Mittelfeldspieler der vergangenen 15 Jahre auf die Bank verdrängt hat und nun mit seinem 1:0 den Sieg im Champions-League-Finale einleitete? Und zwar für eine Million Euro. Ivan Rakitic, für eine Million Euro. Als würde man die Erstausgabe der Bibel ersteigern, die Seiten etwas zu unleserlich finden und danach für 50 Tacken auf dem Flohmarkt verscherbeln. Liebe Schalker, wenn es jetzt weh tut, dann wisst ihr zumindest, dass euer Nervensystem einwandfrei funktioniert.