Ballack empfiehlt Schweinsteiger Rücktritt

Ab in den Urlaub

Michael Ballack hat Bastian Schweinsteiger zum Rücktritt geraten. Eine gute Idee oder ein neues Kapitel in der Geschichte »Ballack vs. Moderne«?

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»Ich denke, es ist jetzt ein guter Zeitpunkt für ihn, zurückzutreten«, schreibt Ex-Capitano und Führungsspieler-Experte Michael Ballack in seiner Kolumne für den »Kölner Express« und die Münchner »TZ«. Es geht um Bastian Schweinsteiger, der im Halbfinale gegen Frankreich mit einer Handbewegung, die seitdem als unglücklich, dämlich, verheerend und noch mit vielen anderen apokalyptischen Adjektiven beschrieben wurde, das Aus der deutschen Nationalmannschaft einläutete. Jetzt, so schreibt Ballack, könne sein Nach-Nachfolger noch »erhobenen Hauptes« abtreten.

Was Ballack fehlt ist ein richtiger Ballack

Klar, was der ehemalige Nationalspieler hier für ein Spielchen spielt. In seiner hauptberuflichen Funktion als Experte schien sich seine Expertise in Bezug auf die deutsche Mannschaft bisher auf ein Spezialgebiet zu beschränken: fehlender Charakter, fehlende Persönlichkeit, fehlender Führungsspieler. Kurz: ein echter Michael Ballack. Mit Führungsspielern ist es nämlich so eine Sache, seit Käpt’n Lackab nicht mehr die alleinige Kontrolle über das Steuerrad an Bord der DFB-Elf innehat. Lahm? Schweinsteiger? Weltmeister, ja, aber echte Typen, die auch in stürmischen Momenten den Durchblick behalten? Fehlanzeige.

Nach dem EM-Aus vermisste Michael Ballack dann plötzlich einen Spieler auf Weltklasse-Niveau wie, genau, Philipp Lahm, der wie kein anderer ein Spiel beherrschen könne. Bastian Schweinsteiger muss jetzt natürlich das Handtuch werfen, damit Ballack wieder mit Fug und Recht Führungsspieler vermissen kann. Zur WM-Qualifikation wird es dann sicher heißen: »Ja, so ein Schweinsteiger, der im entscheidenden Moment auch mal den Ball, äh, das Heft in die Hand nehmen kann, der fehlt natürlich jetzt. Ist halt zum falschen Zeitpunkt zurückgetreten.« Erst Rücktritte zu empfehlen, um jene Spieler dann später schmerzlich zu vermissen - sieht nur auf den ersten Blick wie eine Win-win-Strategie aus.

Capitano und La Mannschaft

Auch Joachims Trainerstuhl sägt Ballack im Subtext schon mal an, wenn er sagt: »Löw ist Weltmeistertrainer. Kritische Stimmen hört man hier allerdings eher selten. Das darf nicht zur Bequemlichkeit führen.« Natürlich verlief Ballacks Karriereende tragisch, aber sein stetiges Hintergrundgezeter bringt ihm nur wenige Sympathien und dafür eher das Image eines verbitterten Rentners ein, der durch den Park patrouilliert und jugendlichen Fahrrad-Rasern den Spazierstock zwischen die Speichen schmeißt. Einer, der sich nie ganz vom »El Capitano« verabschieden und sich nie wirklich mit »La Mannschaft« anfreunden konnte.

Der Werbespot für ein Reiseschnäppchen-Portal, in dem Ballack, Lahm, Schweinsteiger und Löw gemeinsam im Pool planschen, sich gegenseitig den Rücken eincremen und Arschbomben vom Beckenrand machen, wird wohl vorerst noch ein Traum bleiben.